Rolandsbogen

Am Samstag überm Rhein. Aus dem Wald um einen Felskegel herum, ein paar flache Stufen, dann ist man oben. Oben: eine klirrende Fahne über dem eiskalten Strom, der Bogen ein steinernes Fliehen, vom Strom auf den Felsen, vom Felsen in die Wolken. Etwas wie schwarzer Draht ist um die Säulen gewickelt, bei näherem Hinsehen entpuppt es sich als eine Lichterkette. In der Mittagshelle starren die erloschenen Birnchen wie die Körper lebloser Käfer. Zwei Stufen weiter die leere Terrasse, nicht einmal zusammengeklappte Stühle oder eingefaltete Sonnenschirme, nur Steinplatten laufen auf eine Tür zu, die blind ist von Spiegelungen, das Siebengebirge mit dem körnigen Himmel darüber, der Bogen mit dem Käferkranz, eine merkwürdig schmale Gestalt mit riesendunklen augen, das bin ich wohl selbst. Mit der Nase an den Scheiben erkennt man einen Gastraum, und seltsam, die Tische sind schön gedeckt, Stoffservietten zu schlanken Pyramiden gefaltet, drei Sorten Gläser an jedem Platz, auch sie spiegelnd, sauber, bereit. Auf der Terrasse knistert etwas Laub vor sich hin, die Umfassungsmauer zuckt die Achseln, ein Stapel leerer Bierfässer, eine Guide-Michelin-Empfehlung klebt innen auf den Scheiben, alles spricht hier von einem Sommer, an den man nicht glauben kann. Endlos das Dröhnen der Güterzüge im Rheintal. Keine Vögel. Zwischen Nonnenwerth und dem hiesigen Ufer läßt sich eine Rudermannschaft treiben, die Riemen über dem Wasser schwebend, der Rumpf sehr schlank, es sieht aus wie ein Gliedertier, ein Wasserläufer.

Anderntags sitze ich im Zug nach Au (Sieg). Wenn ich schon nicht laufen kann, will ich wenigstens im Zug in Bewegung sein. Ich dachte mir, schaust du dir mal an, wie es da ist am Westerwaldrand, da warst du noch nie. Fuhr also hin, stieg aus, sah wie es war und fuhr wieder zurück. Wie war es: Schön. Die Strecke führt im Tal der Sieg entlang und überquert den derzeit stark angeschwollenen Strom mehrmals. Mal fließt der träge und läßt eine Ente auf sich schwimmen, dann geht es stürmisch glitzernd über Schnellen. Weiden und Pappeln stehen im Wasser und hängen voll mit verfilztem Schilfgras. Das Tal ist noch winterlich grau, Spaziergänger und radfahrende Familien sammeln sich auf den Uferwegen und tragen bunte Tupfer in die trübe Ferne davon. Im Baumdraht über den das Tal einfassenden Hügeln irrlichert es von Sonne und Wolken im Wechsel, ein Licht, das wie verdünnt ist, sich nicht entscheiden kann.

Der Ort selbst ist leer. Immer noch keine Vögel. Eine Straße führt vom Bahnhof hinunter, zwischen den Häusern blitzt etwas wie eine Wiese, davor schwingt sich eine Schnellstraße die Hügel hinauf. Mehrere Zuglinien fahren von hier noch weiter, ich lese Namen wie Dillenburg und Limburg auf dem Fahrplan, der überraschend kräftig gelb ist, nicht wie sonst auf Provinzbahnhöfen leichenhaft blaß hinter der angelaufenen Scheibe vor sich hin modert. Trotzdem scheint hier etwas zu Ende, macht dieser Ort, der, wie ich später erfahre nur einige hundert Einwohner zählt, den Eindruck einer letzten Station, hier noch einmal Wasser, Brot, Tee und Kocherbenzin einkaufen, bevor es losgeht in die Wildnis, die gleich da drüben, am Hang, der die Schnellstraße ansaugt und verschwinden läßt, beginnt.

Ein Paar in Festtagskleidung betritt den Vorplatz, Stöckelschuhe klappern. Der Bahnsteig ist überraschend belebt. Handtaschen, kleine Rucksäcke. Kinderwagen. In Köln muß sich der Sonntag anders anfühlen, sagen die Gesichter, in Köln wird jetzt schon Frühling sein.

Aber erst heute zittern an den Bahndämmen die Schneeglöckchen, als habe gestern mit dem Sonntag nicht nur die Woche geendet. Auf dem Weg zur Straßenbahn nach einer Schrecksekunde begriffen, daß, was man da eben gehört hat, ein Buchfinkwar.

SOLSTITIVM

Zahlen brachten den Schnee, geräumige Nummern, die Tage

wuchsen nach Innen, der Nacht warfen sie Leuchtziffern zu.

Letzte Hunde von gestern, Abendgeläute. Von Tagen

wimmeln die Augen, am Schild fallen die Namen zum Grund.

Stillstehn. Im Ohr: das Eis. Wie es wächst, die mürben  Kristalle

wuchernd am Stiefel. Wirr stromert die Ferne zu Tal.

Allerheiligen

Und der Teddy am Rand des schwankenden Lichttümpels der Kerze, und das Kreiseln der Flamme, und wie sich das in ein Kreiseln der ins Enge, Umgrenzte der eigenen Schrittweite eingefaßten Dunkelheit übersetzt, an deren Rand der kleine Teddybär, mit Wollmützchen und einem roten Halstuch, der Glanz in den Kunsstoffaugen beinahe lebendig, in diesem vor- und zurückspringenden Zucken sich zu bewegen scheint, wenn man nicht genau hinsieht, sondern knapp und wie absichtslos daneben, auf die frischen Blumen, das Feuchte der im Kerzenschimmer verfälschten Farben, die Pflanzengattungen nur durch ihre Form kenntlich, und wie die Schrift auf dem Stein so ist wie immer, fremd, aber nicht abweisend, höchstens den Anschein von schamhaftem Vorwurf vermittelnd, der an mich, den Unbeteiligten geht, und warum ich denn so oft hierhergekommen bin, um mir am Zeugnis fremden Leides einen wohltuenden Schauer zu holen? Aber vielleicht stimmt das gar nicht, oder doch, oder halb: Der Schauer tut wohl, aber es ist ein Schauer des Trostes, widersprüchlicher Besänftigung, die ich, wer wollte sie jemandem verweigern? aus Licht und Teddybär beziehe (manchmal ist es auch ein verkitschter Engel, manchmal haben die Figuren ein Schneemützchen, stets sind die Blumen frisch, einmal habe ich eine halbe Stunde lang einer Amsel zugehört, niemand war außer mir auf dem Friedhof), und daraus schöpfe, daß da jemand tapfer gedenkt, und daß die Liebe, die sich da in Blumen und Teddy und Engel zeigt, ebenso wahr ist wie der allzu frühe Tod der unbekannten Jennifer, und dieser Gedanke bringt mich von den trauernden Liebenden zurück zu dem fremden, ewig neunjährigen Mädchen, an dessen Grab ich manchmal verweile zum Stillsein und Nachdenken und widersprüchlich Tröstenlassen, um dann still und leise wieder zu verschwinden, ein vorübergehender Eindringling, der niemanden stören will und gleich wieder weg ist, und ich denke, sie hätte gewiß nichts dagegen.

Bei solcher Witterung. 8:58

Bei solcher Witterung haben selbst die Blicke der Menschen im Zug etwas Nebliges, ja, Nebulöses an sich, versponnen, labyrinthfarben, nach innen gerichtet und doch die Umgebung im Blick, traumgefärbt vielleicht, als gäbe es da etwas, das uns, jene Frau und mich, die ich schon seit langem im Zug beobachte aus sicherer Distanz und der versteckten Warte beiläufiger Taxierung, das uns also schon von je verbindet, nur ich weiß es nicht, abgelenkt und verloren wie ich war an eine andere Erzählung, an ein anderes Licht. Die Felder eisgrau, ohne das Gewicht von Farben. Raben, die auf einen Acker niederfallen. Strommasten huschen lautlos vorbei. Der Blick sagt, hast du’s immer noch nicht verstanden? Und ein pastellenes Glänzen liegt da wie eine eingenistete Trauer in ihren Augen, ein Sog.
Sie verläßt vor mir den Zug, wobei sie mich mit diesem ballistischen Blick auffängt und gleich wieder fallenläßt, mit diesem knappen, zwischen Beachtung und beiläufigem Desinteresse schwankenden Streiflicht und Hast-du’s-noch-nicht, das Kinn ein wenig auf die Brust gesenkt, die Aufmerksamkeit jetzt auf die Lücke gerichtet zwischen Trittstufe und Bahnsteig, es ist eine Aufmerksamkeit, die ebenso beiläufig ist wie vorhin der Blick, und sich noch weitere Aufmerksam- und Beiläufigkeiten vorbehält. Ihre hohen Stiefel machen kleine Geräusche jetzt schon auf dem Bahnsteig, auf den angefeuchteten Steinen, Geräusch wie von solchen Schritten, die sich eine nächtliche Straße hinunter einsam entfernen, manchmal ein Holpern, wenn die Fußspitze beim Vorwärtsschwung noch einmal den Boden berührt, tänzerisch klingt das und elegant, klack klack kliklack, ihr violetter Mantel beginnt sich schon aufzulösen, das Haar glänzt wie von Kondenstropfen. Die Schultern spannen sich leicht, als wüßte sie mich vertrauensvoll hinter sich, wüßte meinen Blick auf ihr ruhen, der ihr auch wirklich folgt, wie sie, womöglich mit dem Bewußtsein, das ich sie nicht aus den Augen lasse, klack klack kliklack dem Treppenabsatz zur Dasselstraße zustrebt. Sie senkt den Fuß auf die erste Stufe, neigt ein bißchen den Kopf vor, vorichtig, hat ein Taschentuch hervorgezogen, schneuzt sich die Nase, schnieft, der Nebel, die Kälte, das Herbstzittern, ihre Gestalt schon eingetrübt, senken sich die Schultern auf der Treppe, bereits die einer Fremden in einer Menge weiterer Fremder, eine auf und ab wogende Isokephalie unter dem Stahlbogen, wo jetzt das feuchte Gleiten einer Taube den Stahlschatten des Bahnübergangs entkommt. Die Treppe saugt die Menge an sich, unten erklingt das sanfte Gekreisch einer bremsenden Straßenbahn, der Zug schickt zwei rote Rücklichter aus der Kurve zurück. Das Bahnhofsgelände hat sich geleert; eine Zigarettenkippe qualmt in der Nässe, ein Papiertaschentuch leuchtet weiß auf dem Perron, die Taube entfernt sich flügelklatschend und verschwindet in der Silhouette der Platanen, und als ich wieder zur Treppe sehe, wird sich die Fremde kein zweites Mal nach mir umgedreht haben.

Morgen, vogellos

An diesem Tag würden wieder die Hubschrauber knattern, nebenan, zur Unzeit, rauschte schon die Klospülung des Nachbarn, aus den Augen rieselten Schäben, der Schlaf hatte wie Erde geschmeckt. Später die Beeren schon dunkel. Kein Regen, die Wiesen Gefäße voll Himmel. Die Wege hatten fleißig Schatten gesammelt, den spuckten sie jetzt wieder aus. Brennesseln fraßen sich über die Brachflächen. Unterm Stacheldraht Schnauzen, Hörner und Felle von Vieh. Grüfte schliefen ihren Rausch aus, verbissen nüchtern werdend. Weggedreht zuckten die Bäume die Achseln. Ein Später war über die Welt hereingebrochen, war heimlich eingetroffen, über Nacht, von keinem bemerkt außer den wachsamen Vögeln, die sich nicht hatten ergreifen lassen von der dunkleren Zukunft, die sie uns überließen.

Anwesenheiten

Die Wohnung vorzeitig verlassen, geflohen! einen Zug früher genommen, nur um nicht länger: Ich Er. Tra. Ge. dieses Geräusch nicht, ums verrecken nicht. Die Toilettenlüftung der Nachbarn. Da haben sie schon zwei Bäder, eines davon mit Fenster, aber nein, dieses müssen sie benutzen und mir mit der idiotischen Lüftung die Ohren vollheulen. Es gibt Geräusche, die sind einfach im schlimmsten Sinne des Wortes un-: Un. Er. Träg. Lich. Ich mache das Radio an, drehe am Lautstärkeregler herum, konzentriere mich auf die beruhigenden Stimmen. Zwecklos. Das Heulen ist überall, draußen, drinnen, unter dem Sofa, in allen Ecken, in den Ohren, im Schädel, im Knochenmark, eine unausweichliche, quälende Anwesenheit, daß die Nervenfasern nur so knistern. Also raus. Aus der eigenen Wohnung gejagt. Hatten wir das nicht schon einmal?
Auch verwirrend: Seit ein paar Tagen diese merkwürdigen Flecken, fettiges Dunkel mit einer weißen Stippe darin, man sieht das überall jetzt auf dem Boden, auf der Straße, auf dem Bürgersteig, was ist das? Fliegendreck? Vogelschiß? Runtergetropftes Vanilleeis? Und was hat das mit dem Toilettenlüfter …? Ist ja auch egal.
Im Zug jedenfalls wieder sehr voll, das heißt, gar nicht mal so, aber man bemißt solcherlei Ärgernisse ja immer am Erwarteten, und da jetzt Schulferien sind, mithin die Züge sich angenehmst leeren sollten, wie in vergangenen Jahren auch schon, um die sechs angenehmsten Wochen des Jahres einzuleiten – erwarte ich nunmal leere Räume, Stille, ungeatmete Luft. Vergiß es. Der beste Urlaub wäre dann, wenn vier fünftel der hiesigen Bevölkerung einfach im Urlaub verschwänden, verschollen gingen, ausstiegen, auswanderten, was weiß ich, um nie wieder hier unangenehmst, auch sie nämlich eine quälende, nervenmarternde Anwesenheit, aufzufallen.

Traum, Choral, Buchfink

Vor einigen Tagen wieder ein klingender Traum. Es spielte in einem Kammermusikensemble, das man von der Straße her durch ein offenes Fenster erspähte, eine Fagottistin ein langsames Solo. Die Melodie ist einfach, in Dur, schmucklos, beginnt mit einer lang ausgehaltenen Note, welche die Solistin aus dem Mezzopiano wie aus einem gedämpften Hintergrund langsam crescendierend in den Vordergrund des musikalischen Geschehens einschwingen läßt. Ihr Ton ist sehr weich und näselnd, das allmählich vortretende Vibrato unaufdringlich und schmeichelnd. Die Melodie ist eine fallende Figur, gleitet aus dem ersten Ton hinab, fängt sich, schwebt wieder empor und erreicht eine vorläufige Kadenz; dann beginnt es noch einmal von vorn. Bei der Wiederholung bin ich schon ein paar Schritte weitergegangen, die Weise erklingt noch einmal neben oder hinter mir, indes ich das Fagott vor mir sehe, ein frühes Instrument aus merkwürdig hellem Holz.
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Später im Radio den Bachchoral „Jesus bleibet meine Freude“ in einer Klavierbearbeitung von Busoni.
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Indessen, draußen, vor dem Fenster ein Buchfink, weder nah noch fern, und ebenso an den Dingen beteiligt wie unbeteiligt, ahnungslos, freundlich, ein vergnügter Teil der Welt, der bei allem, was diesen Augenblick ausmacht, unersetzlich ist.
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Der Traum, der Choral, der Buchfink: Die Augen geschlossen, den Kopf zurückgelehnt und etwas zu Seite geneigt, nur noch im Ohr beheimatet sein. Gestern und morgen, das Jahr und der Tag, Nächte und Morgen, Stimmen und Blicke, das Nahe wie das Ferne kommen in einem einzigen einfachen Ort zusammen, in dem alles, was man nur denken kann, die Bedeutung reiner Freude hat und sich ganz leicht auflöst in den Kullertränen eines unaussprechlichen Glücks.

Camping Genienau

Was noch vor ein paar Tagen unbeholfener Versuch war, ein prüfendes, tastenden Stolpern ins Schneelicht des Morgens hinein (man konnte nicht sicher sein, ob man sich nicht verhört hatte), das ist sich, zumindest hier im Rheinland, seiner vergessen geglaubten früheren Virtuosität wieder bewußt geworden, hat den Dreh wieder raus; und so tönt es jetzt aus den Büschen und Bäumen, perlend, hell, kraftvoll und so stolz, als müßte es die Verspätung wieder wettmachen: Die ersten Buchfinken.
Ende Januar war es letztes Jahr schon soweit, in einem Waldstück voller Sonnensäulen und eiskalten Buchenrinden; in der ferne schwebte die Godesburg, angehoben von Licht, während tief unten der Sonntagnachmittagsverkehr blitzte.

Wege von und zu der alten Wohnung. Argelanderstraße. Fluchtgedanken, wirre Pläne von einem Neubeginn, vom Wohnen auf dem Campingplatz oder im Wohnmobil, Ärger auf Nachbarn und den ermüdenden Autoverkehr vor dem Küchenfenster. Ich weiß noch daß ich in jenen Tagen Campingplätze wegen eines Dauerstellplatzes angeschrieben habe, und einmal bin ich sogar runter nach Mehlem gefahren, um mir einen anzusehen, ein trostloses Stück Wiese mit vereinzelten moosüberwachsenen Campinganhängern darauf, wie Findlinge schief und geneigt, die Fenster verrammelt oder blind vor Staub. Die Schranke an der Einfahrt war heruntergelassen und mit einem Vorhängeschloß gesichert, Verbotsschilder, hier gilt die StVO, der Name „Genienau“ krümmte sich, gestützt auf zwei Pfähle, verwittert und unleserlich über den Weg, irgendwo ein Blechschild mit der Hausordnung. Unbefugten Zutritt verboten. Ich ging trotzdem hinein, besah mir die Anschläge und Plakate vor der Rezeption, drückte die Klinke, abgeschlossen, keine Klingel, keine Öffnungszeiten, in den Fenstern undurchdringliche Vorhänge. Ich sah nur mein eigenes ratloses Gesicht in den Scheiben. Auch die Türen der Sanitären Anlagen waren alle verriegelt. Nirgendwo auf dem Platz ein Mensch, in den Hecken eine Menge Spatzen, Möwen vom Rhein, nur draußen auf dem Feld ging eine einsame Frau mit Dackel.

Viel später erfuhr ich, daß das Wohnen im Campinganhänger in Deutschland nur unter strengsten Auflagen möglich sei. Was kann man auch anderes erwarten in einem Land, in dem Wartehäuschen mit einem Spalt für Zugluft versehen und Sitzgelegenheiten auf öffentlichen Plätzen und in Bahnhöfen so unbequem wie nur möglich gestaltet werden, damit nur ja keiner auf die Idee komme, sich dort hinzulegen?
Ich drehte noch eine Runde um das Gelände, stieg den Feldweg hoch zur Straße, fand die Hänge einladend und schön, kehrte zum Fluß zurück. Drüben der Drachenfels, sehr steil, das Schloß auf seinem Gipfel massiv und bedrohlich. Der Rhein hatte wenig Wasser und war braun, spiegellos, in den trockenen Kieseln lag eine milchig abgewetzte Wodkaflasche. Ich begriff, daß ich hier niemals wohnen würde. Nicht am Rhein, nicht in einem bemoosten Wohnwagen auf einem Platz ohne Dusche oder Waschbecken, nicht im Schatten des Drachenfelsschlosses, überhaupt nirgendwo. Traurig machte ich mich auf den Weg von dort, wo ich nicht wohnen würde nach dort, wo ich nicht mehr wohnen wollte.

An jenem Tag also der erste Buchfink. Vor ein paar Tagen bin ich dort auf einem Lauf von Rolandseck nach Hause wieder vorbeigekommen. Das Schloß noch höher, wackelig balancierte es knapp unter den Wolken, die Brombeeren ebenso braun wie vor einem Jahr, von den Wohnwagen fehlten die meisten. Aber die Sonne kam durch, viele Spaziergänger hatten die Hoffnung auf Frühling noch nicht aufgegeben, machten einen weiteren Versuch, und die Buchfinken hatten den Dreh endlich auch wieder raus.

Turdus merula

Und wie die jubelnde Erlösung, die endlich blitzartig die Spannung einer monatelang aufgefluteten, unerträglich gewordenen Stille und Starre löst und in Klang verwandelt, der, in der Dämmerstunde süß aus der Dunkelheit hervorquellend, den letzten, mürbe gewordenen Schlaf durchströmt, die Fensterferne heranholt, nah und näher, innig, ein Fordern, farbig und schalmeienklar, und wie aus dem feuchten Inneren einer hartschaligen Frucht ins Erwachen hinein: die erste Amsel.

VIA NOVAESIANA

Beim Verlassen der Wohnung fiel es sofort auf. Die Luft.
Sie war grün.
Grün mit einem lebendigen Hauch Gelb darin, aderweise. Sie roch nach Weiden und nach Wald, nach Chlorophyll und ein bißchen nach Fels, nach staubigem, trockenem Fels.
Nicht nur die Farbe und der Geruch der Luft waren anders; der Raum selbst, der sie enthielt, hatte sich verändert, seine innere Struktur und mit ihr die Geräusche, die er trug: Sie hatten eine weitere Strecke hinter sich als sonst, wie ein Ruf aus klarer Ferne, zugleich waren sie schärfer, heller und deutlicher geworden. Der Raum hatte sich von Verwerfungen freigemacht, sämtliche tauben Knoten geglättet und noch ein paar Richtungen hinzugewonnen, in denen jetzt die Klänge hockten: Klopfen einer Fußmatte gegen einen Laternenpfahl; eine Autotür, die ins Schloß fiel; Hundegebell, Schlüsselgeklapper. Alles von weit weg und zugleich klirrend, nah, es war, als habe sich die Luft aus einer staubigen Verpackung herausgeschält.
Die Haustür lachte ein quietschendes Lachen, und während sie wie von selbst aufsprang, schmeckte auch sie die Farbe; und zum ersten Mal seit langer, wirklich sehr langer Zeit ließ sie das Draußen wieder herein, mit offenen Angeln, bis es sich im Flur ausgebreitet hatte, grün, natürlich und mit soviel Raum, daß die Wände es kaum hielten.
Die Haustür, satt und glücklich von soviel Draußen, fiel mit einem hellen Klirren ins Schloß.
Selbst die Klänge schienen heute eine andere Farbe zu haben.
Grün. Der Morgen war grün, grasgrün, mit einer Spur lebendigen Gelbs darin.

Greinstraße

Er stand seit Tagen im Schnee. Tag für Tag, Nach für Nacht. Die Füße in den Grund gestemmt, die Nase zum Licht gestreckt, bis in den Himmel hinein. So kohlschwarze Augen. So eine gelbe, krumme Nase. Erst mutlos, dann immer trauriger, hat er erst sein Reisigbündel abgeworfen, nicht mehr auf den Hut geachtet und schließlich die Arme hängengelassen. Seine Knie haben ein wenig nachgegeben, aber noch steht er aufrecht, sein Kopf, trotz des Lochs in der Wange, ist hoch erhoben. Er grinst mit einem lachenden Mund, aber seine Augen strafen diese Sorglosigkeit Lügen. Manchmal, wenn man nahe an ihm vorübergeht, hört man ihn keuchen. Er will sein Bündel aufheben, aber es gelingt ihm nicht. Sein Herz pocht. Seine Augen brennen sich in ihre Höhlen ein. Und er schwitzt. Er schwitzt trotz der eisigen Kälte, schwitzt und schillert in der zunehmenden Sonne, schwitzt sich die Knöpfe vom Wams, schwitzt Nässe aus der hohen Stirn, bis die kohligen Augen zu schwimmen beginnen. Um ihn tropft es schon von Schweiß. Oder vielleicht sind es auch Tränen, die sein Wachsgesicht von Innen zerfressen, während alles um ihn zu leuchten beginnt. Man glaubt nicht, daß er Kinder erschreckt, die Kinder aber haben sich am Anfang nur vorsichtig genähert und sind davongerannt, wenn sie seiner Rute angesichtig wurden. Eine prächtige Rute war es auch, schwarz und stachelig und steil aus ihrer Eiswurzel emporgereckt. Dann aber kam die Traurigkeit und das Licht, und jetzt liegt die Rute neben ihm im Matsch. Die Kinder beachten ihn nicht mehr. Auf seiner Stirn sammeln sich, eine helle Unruhe, die Vögel, ein Schwarm Stare. Rechts und links durchstechen Pfähle den Himmel.
Jetzt stehen die Glockenschläge Schlange unter dem bepelzten Himmel. Ein Netz dunkler Straßen gräbt sich ins Weiß, das Licht hat sich selbst vergessen, ein Reisigbündel fault im Schlamm. Als der Vogelschwarm aufflog, blieb ein Kreis aus Schnee im Grund. Dazwischen schimmert es wie von Kränzen und dunklen Sternen.
Vielleicht erinnert sein Geist sich an das Mondlicht, das auf seinen Schultern lag wie ein Panzer, tief nachts, wenn die Straße ihren Namen vergaß, drüben das Gebäude schlief und die Kohleaugen sich in den riesigen Fensterflächen spiegelten.

Greinstraße

In der Sonne laufen die Passanten ihren Schatten hinterher: Jemand mit der Krücke, die er aber nicht benutzt, sondern wie eine Wünschelrute vor sich über den Weg hält; eine junge Frau in schwarz und blond überholt ihn, später werden Arbeiter mit blauen Werkanzügen in die andere Richtung vorbeischlendern, Stulle in der Hand, und der Stoff der Anzüge wird in der Sonne leuchten.
Das Laub des Silberahorns ist schütter geworden, während die Pappeln schon alle Blätter verloren haben. Blickauf ist der Himmel von Gezweig gemasert. Einmal die Woche kommt ein Mann mit einem kleinen Fahrzeug, dreht Kreise über den Rasen und bläst mit erheblichem Lärm das Laub zusammen. Ich sehe ihm dabei zu und überlege, daß das Wort „Rechen“ wahrscheinlich bald aussterben wird, zusammen mit dem Gegenstand, den es bezeichnet. Einmal im Monat wird gemäht. Dem Wort „Sense“ wird es ähnlich ergehen wie dem Wort „Rechen“.
Hinter den Häuserreihen jenseits des Parkplatzes schimmert so fern der Himmel, als spiegele er den Ozean, und auch die Luft, Salz und Ozon, kommt frischweg von der See. Vögel auch, Möwen vom Rhein, zerschlitzen Licht und Himmel in pfeilschnelle Striemen.
Wichtige Herren in Krawatte lassen manchmal ihre Aktentasche mit einer lässigen Drehung des Handgelenks aufblitzen, während sie dem Kollegen etwas Wichtiges – daß es wichtig ist, sieht man an ihrem geneigten Nacken, an den hackenden Kiefermuskeln – mitteilen. Dahinter weht ein Fahrradfahrer auf einer unsichtbaren Strömung dahin.
Die Fenster dieses halben Souterrains beginnen auf dem Bodenniveau, das dem, der sich im Inneren aufhält, bis zur Brust reicht. Bis zum Kinn, wenn man am Schreibtisch sitzt. Ab und zu kommt ein Ball samt einem Knäuel Hund angerollt, und der Kies vor der Scheibe zerspritzt. Das gefällt mir. Ich zucke zusammen, ein Erschrecken, ein Blick ins lachende Hundemaul mit Ball, und man fühlt sich aufs Angenehmste daran erinnert, daß man noch lebendig ist.

Hieroglyphen im Kristall

Die Hand in der Sonne und der kleine Schatten, den die Finger ins Laub werfen, und zu den anderen Schatten, im Ohr das ganze Jahr, und die bunten Mützen drüben an der Hecke, Limonadenflaschen unter dem Vergessen der Weißbuchen, das ganze Jahr, die Vorgärten mit ihren Marmorstimmen, ein ganzes Jahr, die Wolken im See und dann wieder übers Jahr und übers Feld, die Raben, der Bausch Dunkelheit am Feldrain, das Wort wieder denken, und die Schritte über den Kies knirschen lassen, langsam einen jeden. Nach einem Stein suchen, seiner glatten Kälte, den Adern und Hieroglyphen im Kristall. Die Hände an der Hose abwischen, stehenbleiben. Blumen in den Tonnen, so viele Blumen, die ihr Buntes verschenkt haben, Jahr um Jahr, ihre geliehenen Farben der Erde zurück, diese Töne von Ocker, Schilfhell und Tabakbraun, von Seeschlamm und Kastanienbleich, von Eichelglanz und Eckernstumpf, eine Erinnerung an eine Erinnerung an Farbe. Die Püppchen blicken ins Laub, und die bleichen Photographien, der Marmor mit den Schattentümpeln, es ist, als hätten selbst die Bäume den Blick gesenkt. In den Pfützen regt sich der Schimmer, knapp an den Rand geflackert, von Flämmchen. Ein jedes ein Fensterchen, das ein einsamer Wanderer aus der Ferne des dunkelnden Hanges erblickt, zu spät, rings neigt sich das Tal, das holst du nicht mehr auf. Es riecht der Acker nach Kaminrauch, dir aber bleibt nur der Weg, übers Jahr und übers Feld, morgen war schon, wieder nichts gemerkt, paß auf, nichts wird schneller reif als das gestern, das der heutige Tag sich so mühsam erringt.

später

und plötzlich erwacht man und alles ist ein danach, ein später.

wohin man geht, ist garten, ist umgrenzung, rand. hof oder schatten, alles verweist selbst noch in der sonne und auf dem hügelkamm auf ein draußen, das hier nicht zu finden ist. aber auch nicht dort oder drüben, nirgends. draußen. damaliges außen. jetzt säuselt noch etwas hallendes, wie aus weiter ferne oder ferner zeit, oder einsam in einem großen, weiten und klingenden raum. und später, die zeit überreif verfärbt wie liegengelassenes obst, läuft von einem punkt weg, auf den sie, früher, davor, eben noch, wann? zugeeilt ist.

da wird der sommer zum abbild seiner selbst, zu einer geste, dahinter die jahreszeit und überhaupt jede zeit, verschwindet.

eingesperrt in den höfen die stille, die sich an einem augenblick im dunstigen mittag zu erkennen gibt. im verborgenen gewirkt, reif geworden, hat sie sich das alter früherer sommer, vergangener, zu eigen gemacht. so spricht sie mit den offenen schnäbeln der vögel, die zu schweigen verstehen. ein flattern im gesträuch, wippende äste. anwesenheiten. geschöpfe (oder geister?) die sich nicht preisgeben wollen. die beeren, ein leuchten von gestern. die amseln: als warteten sie auf ein signal. ein zeichen wofür?
wie aus papier stehen die straßen, ihre sprödigkeiten erzählen sich farben, die schon verblaßt sind. alles ist erzählung dieser tage. erinnerung an erinnerungen. das licht, wie es staubig von den fassaden zurückfällt, ist ein zitat, das glitzern auf dem ententeich ruft sich selbst in erinnerung, alles, was jetzt grün ist, verdankt sich einem vergessen. liegengeblieben das gelb des greiskrauts und des rainfarns an den knisternden wegrändern, die vergessen haben, wohin ging es noch gleich? unsichtbar an den kehren ein rascheln von schritten, das nie näherkommt und sich nicht entfernt. ein augenblick des wegsehens und die violetten tüten des riesenspringkrauts dürfen noch bleiben und bleiben übrig. vermutlich sind sie morgen auch noch da.
zwischen dem anhaltenden sonnenlicht und den gegenständen, die es zurückwerfen, verspinnt sich die erinnerung einer farbe, einer schwierigen farbe, der farbe nicht eines gegenstands, einer zeit selbst nicht, sondern die einer mischung, einer summe: die aller spät- und nachsommer, die schon gewesen sind, und die in jedem weiteren sommernachhall wieder zur sprache kommen müssen.

Origami

Raum für schreitende Pferde
über den Himmel hin, genug
Platz für die Wimpern, und die Fingerspitzen
für die Bauchhärlinge, die Picknicklöffel
Karos im Gras, jeden Augenblick ein Ballon kann
hängenbleiben am verwirrten Horizont.

Pflanzstädte, gesegnet mit herzvollen
Bestrebungen, erheben sich unter
klappernden Augendeckeln, nähren
sich von Wasser und blitzendem
Stein, machen kristalline Symbiosen.

Eine Fälschung am Wegesrand, so
üben die Blumen den Zirkus, und da:
Pappkameraden schielen über die Hecken
Spanner und Vogelvoyeure! Jemand muß sich
das ausgedacht haben,
ein Pappenheimer und
erfindungsreicher Garten-Clown.

Eine Singdrossel tut so als ob …
eine Amsel singt wie … die Dotterblume gleichsam …
Dornen, wie wenn …
Ja, so. Vergleiche: sind wieder zulässig, gehascht
wird wieder nach Worten und Bilder für alles Gebild
so viel an uralter Neuheit, vom Himmel
bröckelt der Putz.

Selbst Steine drängen zum Licht
aus der zähen Scholle, Knetblumen
die eine Kinderhand in die Hecke warf
leuchten in multibunt, natürlich die Fliegen,
haben ihre glitzernden Flugbahnen
aus dem Tuschkasten nachgezogen

Brunnen stehn offen,
in ihrem Inneren
schaukeln Stücke entwendeten
Himmels, das Wasser
lacht über einen ganz neues Witz,
zuletzt üben am Dachstuhl
die Tauben Dauerküssen.

So grün, das kann doch nicht,
so gelb die Tulpen, unmöglich,
die Farben sind doch geklaut
Himmel, Horizonte, Häuser von
Kinderhand gekrakelt, Malen
nach Zahlen, überm Bach verläuft
die frische Tinte, Wasserblau in Himmelblau,
das braucht man nicht zu üben.

Die Luft ruft Vögel auf
den Laufsteg, drüben
sägt es und klopft es
noch an den Kulissen, hörst du
von ferne die Schüsse des Salats,
die Wasserlilien sind mit Feuchten Schatten
leichbekleidet am blankgeputzten Weiher,
neigen, ein wetterfestes Origami,
die geschminkten Köpfchen.

Einem angetrunkenen Akrobat
gleich balanciert die Sonne auf
einer schrägen Fichte dahin.
Schüchtern haben sich die Schatten
wieder an die Füße der Wanderer geheftet.
Noch zaghaft, und so wacklig, daß sie Mühe haben, Schritt
zu halten, vorwärts Marsch, auch am Huf der Rehe
kleben sie, schon sicherer, am schwierigsten aber
nachzuhalten über den Boden sind
die Muster der Stare und
die Schwingen der Kraniche, die fliegenden
Pferde zumal am Himmel, der auch nicht
stille steht.

Der erste (Fringilla coelebs)

Es braucht einen Moment, ehe ich begreife, was ich da eben gehört habe.
Unvermittel und unangekündigt, als wäre es nichts, hatten sie wieder eingesetzt, so heimlich, daß ich mir nicht sicher sein kann, sie nicht vielleicht schon vorgestern oder letzte Woche vernommen zu haben. Als hätten sie nicht geschwiegen so lange Zeit – wollten sie mich jetzt zum besten halten? Wann hatten sie das untereinander ausgemacht? Oder war es Bescheidenheit, die sie so ohne jedes Aufhebens und an jener unauffälligen, durch nichts aus der Menge anderer Orte herausgehobenen Stelle (ein bißchen grauweißliches Gestrüpp, eistrockenes Gras, Kiefern und Eichen im Wechsel) wieder einsetzen ließ?
Oder war es ihnen peinlich, so lange geschwiegen zu haben? – Jetzt glauben sie, es fällt keinem auf, sagt eine imaginäre Begleiterin und kickt einen Stein weg.
Ich kann mich auch getäuscht haben, und sie haben viel früher schon begonnen, so mir-nichts-dir-nichts, wie die Stimmen, als hätte es nie eine Unterbrechung gegeben, als sei der Winter einfach nur ein ärgerlicher Irrtum meinerseits, ihre Trillerketten genau an dem losen und versteckten Ende wieder aufnahmen, wo sie (wenn es denn überhaupt eine Pause gegeben hat) irgendwann vor ein paar Monaten (oder vielleicht auch nur Tagen, Stunden) abhanden gekommen waren. Und vielleicht war ja wirklich keine Zeit vergangen? Alles eine Verwechslung, ein wüster Traum, ein Stocken der Säfte, eine Halluzination? Wir haben hier schon immer getrillert, trillern sie, und wenn du uns nicht hörst, ist das dein Problem.
Nie eine Frostnacht, nie ein Sturm, die mürrischen Menschen nicht, die langen Nächte nicht und auch nicht die müden Nüsse und die verschrumpelten Äpfel: Alles war gestern morgen so frisch, als sei es eben ins Dasein getreten, der Frost auf den Wegen zerschimmernd wie ein Rest vorgeburtlicher Unvollkommenheit, ein Schorf, ein Überbleibsel, etwas, das sich noch glätten, aushärten, austrocknen müßte und seine vorbestimmte Form bald annähme, wie eine blitzende Libellenschwinge.
Vielleicht hatte auch nicht ich mich geirrt, sondern die Zeit selbst: Sie konnte sich ja verschluckt haben an einer Stunde oder einem schiefen Augenblick, wie es deren viele gibt; sie war gestolpert und zur Blase angeschwollen, hatte sich selbst zu labyrinthischer Vielfalt ausgetrieben … und war jetzt, in jenem Augenblick, dem nur noch Reste der Irrfahrt – Eisblumen, Baumskelette, Schneepfützen – anhafteten, und da der Buchfink wieder (genau, als wäre nichts gewesen, und es war ja auch eigentlich keine Zeit vergangen) zu trillern begann, an ihren Ausgangspunkt vor dem Mißgeschick zurückgekehrt: Ein Trillern im Baum. Und da war es wie immer.