Auf der Terrasse

Da bin ich wieder.
Die Amsel leiert. Du nennst es „zwitschern“. Abends auf der Terrasse, ein warmes Bier in der Hand, die Füße gestemmt auf die Dachpappe. Überkreuz Mauersegler. Du nennst es zirpen. Nach Hause kommen. Zum Glück schreien unten nur ein paar von den Bengeln, die Straße, fast ist sie ruhig. Fast. Auch so ein Wort. Eigentlich müßte es dein Lieblingswort sein. Fast. Beinahe. Ums Haar. Du nennst es „immerhin“. Busfahrten von hier nach da, das trägt immer, vorwärts vorwärts, das ist nicht das Problem. Zeit auch nicht, da gibt es Zifferblätter, Fahrpläne, Schwingungen von Quarz, Pulse von Quasaren, Kursbücher. Zeitquittungen. Du nennst es den Gang der Dinge. Ich möchte bei dir sein, ich möchte nicht bei dir sein. Ich möchte heimkehren, aber wo, bitte, soll das sein? Ich möchte einen Augenblick so lange auf der Fingerspitze balancieren, daß er nie mehr entkommen kann. Ich möchte solange über die Zeit nachdenken, bis sie zurückkommt zu mir. Du nennst es melancholisch. Die Amsel leiert, die Bengel spielen Fußball im Dunkeln noch. Ich möchte dir zuhören, wie du redest und redest und redest. Ich möchte nichts davon verstehen, was du sagst, damit ich deine Stimme besser hören kann. Ich möchte nicht nachdenken über das, was du sagst, damit ich besser achtgeben kann, wie dein Atem mich streift, während du sprichst. Ich muß dich nicht berühren, denn meine Hände haben schon so viel berührt. Ich müßte dich ja wieder hergeben. Meine Hände haben verlernt, etwas loszugeben. Sie sind schmutzig von aufgehobenem. Ich möchte nicht, daß du mich berührst, damit du mich noch berühren kannst. Ich möchte nichts von dem aufbewahren, was du sagst, damit du es mir noch einmal sagen kannst. Ich möchte nicht bleiben, sonst kann ich nicht wiederkommen. Um Straßenlaternen kreisen die Falter, du nennst es Albernheiten. Da bin ich wieder. Vier Wände, morgens der Wecker, am Wochenende ein Eis. Alleine unter den Bildern an der Tapete. Die Amsel … man könnte es Ewigkeit nennen. Du schweigst. Deine Hand halten, oft ist mir das begegnet, in der letzten Zeit öfter. Fast hätte ich mich verraten. Fast, mein Lieblingswort. Fast hätte ich deine Hand berührt, fast hätte das Fahrrad einen Platten gehabt, fast hätten wir uns getroffen, fast wäre der Zug entgleist, fast wäre die Ampel noch rot gewesen, fast wäre der Sekundenzeiger stehengeblieben, fast, mein Lieblingswort, du nennst es „gar nicht so schlecht für den Anfang“. Sich verfehlen ist auch eine Kunst, der Zufall nennt es Begabung. Das Verfehlen zu verfehlen wäre noch eine prima Steigerung, und ich möchte nicht wissen, wie der Zufall es nennt. Der Sekundenzeiger geht immer noch. Der Ball prallt ans Garagentor, aus Kübeln quellen die Stiefmütterchen, der Bus macht eine Kehre, und noch eine, und die Kehren tragen mich fort und hin, und es bedürfte schon einer Sphinx, mir hier noch ein Rätsel aufzugeben.

Auf dem nachhauseweg

manche blumen blühen nur nachts, da könnte man lange dunkelheiten umschichten, so zielsicher wie die meerenen flügel des falters wirst du nie für die grenzflächen der angst gewonnen sein.
hier ist der kühle docht, sieh, wie er geschwollen ist vom dunkel. auf kleinen zetteln verteilt: ein lächeln, das protokoll eines abends, lampions überm kiesenen strom. auf manchem heimweg ist die luft von haaren bewachsen, daß es schwelgt von puppigen augenlidern. gelbe türen, gebohrt ins abgeschiedensein von glasstille, halten das licht offen. tritt ein. gerade noch mit dem gestern beschäftigt, gelingt nun mit zittriger schrift dem müll ein epitaph. späteres wechselt mit früherem, heimgänge mit weinenden frauen, mutiges mit zimteis: in einem telephonbuch müßte man ihn nachschlagen, den geschmack deiner lippen. ein finger drückt sich aus dem hellen innern des busses. er malt der nacht ein licht nach, zeichnet ihr was auf die sohle. manche telephonbücher sind in der reihenfolge deiner farben geordnet, deiner füße und reißverschlüsse. wer könnte da die linien finden, um die sich die hände geschlossen haben? so verloren wie der falter wirst du nie zur blüte sagen: ich bin.

Noch später

Doch dann kam das Licht. Es war Tag, so plötzlich, als sei immer schon Tag gewesen, und eine helle Wintersonne schien ins Zimmer. Der Schnee war zu gleißenden Pfützen zusammengeschmolzen. Wärmeschlieren waberten über den erleuchteten Teppich. Ioanna war schon wach, als ich die Augen aufschlug. Sie lag auf dem Rücken und hielt in den erhobenen Armen ein Stofftier, das sie eingehend betrachtete, als habe sie es erst heute morgen in ihrem Bett gefunden. Ich raschelte mit dem Schlafsack, aber sie sah mich nicht an. An ihrem Handgelenk klingelte ein Kettchen, und ich erschrak, daß ich es gestern nicht bemerkt hatte. Sie begann, das Stofftier zu drehen, um und um und um. Ihr Blick weinte, ohne daß eine Träne fiel. Ich weiß nicht, was ich mir für diesen Morgen vorgestellt hatte, doch was immer es war, es ging in diesem Augenblick in Trümmer. Ioanna? Mit einem Rauschen glitt ein Schneebrett vom Dach und zerspellte auf dem Kies vor dem Fenster. Ioanna? Das Kettchen klingelte. In den Armen drehte sich das Stofftier wie ein Tanzbär um und um und um.

Später

Ioanna murmelte leise, wie man ein aufgebrachtes Kind beschwichtigt. Ich habe mich naß gemacht, sagte ich. Das bin ich gewöhnt, sagte sie. Das tat beinahe weh. Ich wollte es nicht wissen. Es erinnerte daran, daß sie dies mit einem anderen zu teilen pflegte, woher dieses Gewohntsein ja rührte – und es erinnerte mich schmerzlich daran, daß dieser andere der rechte war, und ich –
Was war ich?

Ioanna (Die Stadt am Ende des …)

Ioanna hatte zuviel getrunken. Ihr war übel gewesen. Sie war aus dem Bett gesprungen und hatte sich im Bad erleichtert. Besorgt hatte ich oben im Dunkel der Wände eingeschlossen gewartet, allein mit der Tatsache, daß lange Zeit nichts geschah und alles still blieb. Ich wollte schon nach ihr sehen, da kam sie zurück, glitt stöhnend ins Bett, nahm meine Hand. Ich rückte heran, wie ich es so viele Nächte getan hatte, während derer ihre Hand in meiner war und ich gewartet hatte, bis sie einschlief. Ioanna wälzte sich unruhig und in stiller Aufruhr. Ich streckte den Oberkörper ganz nahe ans Bett heran. Ein Geruch wie von einem Säugling ging von ihr aus. Nach Sauerrahm. Mir schwindelte. Es ist gut, flüsterte ich, alles ist gut. Ioanna wandt sich und wimmerte. Meine freie Hand berührte ihren Arm, und auch das war ja schon vertraut, streichelte ihre Armbeuge, tastete sich bis zum Saum des Ärmels vor. Ioannas Lippen bewegten sich. Das Wimmern hielt an. Ich setzte mich auf die Bettkante. Meine Hände strichen Ioanna das verschwitzte Haar aus der Stirn. Ihre Wange war ganz kühl. alles ist gut, flüsterte ich wieder, alles ist gut. Ioanna bewegte den Kopf und murmelte etwas, das ich nicht verstand. Unter dem Hemd fühlte sich ihre Schulter sehr rund an. Bei jedem Atemzug kam ein Klagelaut aus ihrer Kehle. Eine Weile ruhte meine Hand auf ihrem Arm. Wieder murmelte sie etwas und drehte dabei den Kopf von mir weg. Im schrägen Licht der Straßenlaterne sah ich ihren halboffenen Mund. Als ich ihr Ohr berührte, schloß sie die Augen und schien etwas in ihrer Sprache zu sagen, aber ich ließ sie nicht zu Wort kommen, sondern fuhr meinerseits fort, auf sie einzureden, gut, alles ist gut … Ihre Lippen bewegten sich. Ich neigte mich noch näher herab und hörte, wie sie in einem fort dasselbe murmelte, etwas, das sich anhörte wie kialo … kealo … kiallo …
Auf der Bettdecke lag schräg der Schein der Straßenlaterne. Es schneite; über dem Laternenlicht wirbelten frische Flocken, fielen aus dem Schatten oben heraus, strömten ins Licht, das sie einen Moment in sich aufnahmen und glitzernd streuten, ehe sie träge wirbelnd auf dem matten Weiß der Straße erloschen. Stoff raschelte. ke állo. Das Bett knarzte, als ich mich zu ihr legte. ke állo …

Auf der Bettdecke lag schräg der Schein der Straßenlaterne. Es schneite; über dem Laternenlicht wirbelten frische Flocken, fielen aus dem Schatten oben heraus, strömten ins Licht, das sie einen Moment in sich aufnahmen und glitzernd streuten, ehe sie träge wirbelnd auf dem matten Weiß der Straße erloschen. Stoff raschelte. ke állo. Das Bett knarzte, als ich mich zu ihr legte. ke állo …
Ich hatte keinen Augenblick aufgehört zu reden. Schwiege ich, so würde in der Stille zwischen uns das, was ich tat, einen Namen bekommen. Also mußte ich reden, alles ist gut, alles ist gut … Und während ich weiter auf Ioanna einsprach, sowohl, um sie, als auch um mich selbst von dem abzulenken, was geschah, begannen meine Hände ein Eigenleben zu führen. Verstohlen kitzelten sie Ioannas Handflächen, liefen über die Innenflächen ihrer Arme, kicherten über die Gänsehaut, die das hervorrief, strichen über den Ärmelsaum, fühlten warme Baumwolle über nackter Haut und dann nackte Haut unter warmer Baumwolle und setzten sich so über ewig geglaubte Grenzen von Nähten, Stoff und Säumen einfach hinweg. Und während Ioanna zu seufzen begann und immer wieder ke állo murmelte, verstummte ich; doch jetzt waren meine Finger mutig geworden, umrundeten, ke állo, Ioannas Schulter, wagten sich weiter, schlüpften unter den Kragen des Nachthemds, ertasteten, ke állo, ihr Schlüsselbein, drängten sich bereits, ke állo, in ihre leicht geöffnete Achsel, zupften, ke állo, an dem drahtigen Flaum, waren noch nicht zufrieden, nahmen allen Mut zusammen, zögerten einen Moment, taten es dann und streiften endlich, ke állo, ke állo!, Ioannas Brust.
Die aufseufzte. Und da verstand ich auch, was ke állo bedeutete. Plötzlich las ich von Ioannas Lippen alles ab, was zu wissen war, und wußte es so genau und sicher, wie ich niemals etwas verstanden hatte. ke állo …Mehr … weiter … Gleichzeitig verstand ich gar nichts. Doch nichts zu verstehen, das war herrlich. Ioannas Brust war so voll und rund wie ein Mond. Haut umspannte Weiches, Weiches schimmerte warm, Wärme wogte und das Gewoge wölbte sich, gab Anlaß zu allerlei wilden Alliterationen und wuchs zu einem glattem, elastischen Widerstand, so rund und so prall, als strebe alles hin zu einer harten gestreckten Beere, um dort Ausgang und Erlösung zu finden. Daß Haut so sein konnte. Daß Wärme so sein konnte. Daß eine Frau so war. Unglaublich war das. Voll waren meine Hände mit dieser Haut und dieser Wärme, und hielten die Zeit in ihrem Strom fest. Begreifen – nein, begreifen konnte ich nichts von dem, was meinen Händen da zufiel: Ich wußte ja nicht, wie eine Brust war, deshalb konnte ich auch nicht wissen, daß diese Brust so war. Ich wußte nur, daß es Ioannas Brust war, die ich streichelte, daß es Ioannas rauhe Stimme war, die schluckte, daß es Ioannas Atem war, der meine Wange streifte, daß es Ioanna war, die immer noch ke állo murmelte, sprach und schließlich laut rief. Ich wußte ja nicht, wie diese Brust hätte anders sein können. Es war Ioannas Brust, und das war schon unerhört genug. Ja, das war, wie wenn man ein Heiligtum betrat, etwas Verbotenes erblickte, und eine Grenze für immer übertrat.
Und so war es ja auch. Ich verließ etwas. Ich ging für immer. Ich käme nicht mehr zurück. In dem Augenblick, wo ich alles gewann, hatte ich es auch schon verloren. Nie wieder hat sich eine weibliche Brust noch einmal so angefühlt.
Ich sah nicht hin. Fühlen wollte ich, nur fühlen. Plötzlich waren meine Hände überall auf ihrem Körper, wanderten und lernten die Wörter für Hals, für Schulter, für Bauch, für Nabel neu.
Ich hatte es nicht darauf abgesehen. Nicht einmal, als ich auf der Bettkante saß und alles ist gut murmelte, während Ioanna stöhnte und den Kopf hin und her wandte, nicht einmal da, nicht einmal, als ich verstand, was sie wohl meinte, nicht einmal, als meine Hand unter ihr Hemd glitt, gab es irgendein Ziel, außer dem, es nicht mehr, nie wieder, aufhören zu lassen. Sie zupfte an meinem T-Shirt, kannst du das ausziehen, bat sie flehentlich, als klage sie immer noch, und wirklich war es ja eine sanfte Klage, daß noch immer Stoff zwischen uns sei, und als ich meinen Kopf aus dem Gewebe befreit hatte, öffnete ich die Augen: Ioanna lag nackt bis zur Hüfte im halben Licht der Straßenlaterne, Schaum und Marmor und Haar und Mond wie die kyprische Geburt. Wir preßten uns aneinander. Unsere Hände ein Wald, ein Wind, ein Rudel sanfter Tiere. Im Wechsel strömte der Atem zwischen uns her und hin. Ich roch sie. Ich atmete durch ihren Mund. Eine Ewigkeit verging, während der Schnee fiel und fiel, bis er ein Mäuerchen vor das Fenster gehäuft hatte. Irgendwann klirrte ein Gürtel, Stoff strömte beiseite und fiel zu Boden, und dann, als wir wieder nebeneinander lagen und ich ihre Hand mich fordern fühlte, sprach ich mein erstes Wort in Ioannas Sprache. Ich stützte mich auf den Ellbogen. Meine Hand berührte wieder einen Saum.
Perímene, flüsterte ich, warte …

Ein Traum, der die Frage ausstellt, ob wir uns nicht küssen dürfen. Ein Schuttkegel, klettersteil, in einem Innenraum, darauf bewegen wir uns unsicheren Schrittes. Steine lösen sich, Geröll und nasser Sand geraten fortwährend ins Rutschen. Oben ich, weiter unten sie, die ich küssen könnte, wir könnten uns, und oh, es wäre so süß. Aber etwas trennt uns. Zu den Voraussetzungen des Traums gehört ein Verbot. Ein unbegründetes Es-geht-doch-nicht. Ich klettere hinunter. Wir sehen uns nicht einmal an.
Eine Amsel pickt am Schlaf. Erwacht mit ungeküßter Sehnsucht, haltlos.

Melpomene

und über allem der mond das bleiche gesicht voller klingen
weht es uns an wenn im busch schwarzes geflüster sich regt
blätter sehnt es nach schrift nach worten die stirnen des mittags
kahl wenn die messer des lichts stürmen die himmel hinauf
sprich doch zu mir, Melpomene, von neunen die herbeste, lieb mich
aus deinem freundlichem MUND hauch deine klarheit mir ein:
daß ich ASTARTES gesicht und ihr grausames lächeln in bann tu,
werfe die wilde schar fort in die knäuel der nacht.

Nachmittag bei Neuwied

Im schatten eines obstbaums nehme ich mein schäfermal zu mir, paprika, schafskäse, zwiebeln, brot, während unter mir die ebene leuchtet und über mir feldlerchen und goldammern ihre schläfrigschöne monotonie ins ohr flechten. nein, es sind keine zikaden, aber die luft schwirrt wie die erinnerung einer erinnerung an Arkadien. Die wege gelb und staubig, die halme spröde und dürr, und ich, verschwitzt wie ein faun, bin so glücklich, wie ein faun nur sein kann, wenn die felder öd sind, die sonne brennt und die nymphen alle geflohen sind. Tatsächlich kommen da durchs korn in der ferne zwei mädchen mit einem pferd geschwommen, und der wind trägt mir süßen butterduft zu. Aber ich bin zu müde, und auf dem pferd wären sie, scheuchte ich sie auf, schneller davon als ich „φύ“ machen kann.
Aber der faun war kein so schlechter gedanke, und immerhin verfolgt er mich schon seit tagen, oder besser, die verwandlung meines helden in einen. Da ist es nicht erstaunlich, wenn plötzlich, wie ein kiesel auf eine glasplatte trifft, ein einfall klirrt und sich in langsam brechenden sprüngen verästelt, denen ich den rest des nachmittags folgen muß.

freitag

die platane ballt ihre hundertarmigen fäuste, und der himmel voller rauch, man könnte meinen … man könnte meinen …
jetzt hab ich es vergessen.
stimmengeraune: wie ist es süß. sich da einfach einsinken zu lassen, in ein weiches gewebe, eine matte, ein netz … aus stimmen. die platane steht still, die spinne hebt ein bein. man sagt, die sonne werde scheinen am nachmittag. man sagt, die mitarbeiter seien in streik gegangen, man bedauert, versehentlich sei ein kind getötet worden (ups, ’tschuldigung), undsoweiter, am bahnhof spucken die ausflugsschüler kaugummibrei, später, zu hause, sitzt man ein wenig, nachdem man geplaudert hat mit der süßen mitbewohnerin, man sitzt, und die fenster sinken vor müdigkeit in ihren fassungen zusammen, stellen trübe schleier zur schau und vibrieren anmutig, vom stimmengemurmel wie vom lachen freundlicher gespenster.
irgendwann dann der regen. fühlt sich an wie ein freitag.

vorm rechner

dieser augenblick kurz vorher, … zwischen schweben und fallen … dieser augenblick, dieser splitter, den der sekundenzeiger abschlägt, dieser moment, wenn die geräusche plötzlich durchscheinend werden, dieser augenblick, wo die schlacke plötzlich über die augen rieselt … wenn die fingerspitzen ertauben und die zunge sich in einen merkwürdigen winkel des gaumens eingerollt hat, dieser augenblick, wo jemand spricht, wo jemand bereits gesprochen hat, wo jemand etwas eindringliches schon gesprochen hat, dieser augenblick der stille danach, wo plötzlich alles ganz nah ist, dieser augenblick, wo die haut riesig sich aufwellt, wo plötzlich ein bein bis in den hof hinabreicht, während jemand in der tür steht, während jemand in der wand steht, in der wand, aus der wand, ein wort sich aus der wand löst und tropft, tropft, tropft, ein dicker strom, während ein wortstrom aus einem einzigen großen– …, ein wortbrei, eine klangwolke, eine zähe pechige wolke aus trägem wort, … während die wände von einem wort verbogen sind, und der raum sich ausschütten will vor lachen, über ein wort, über ein totes wort … tot wie holz … und die beine in den teppich hineinwurzeln, und die finger sich in eine spinne verwandeln, die davonkrabbelt ohne vom fleck zu kommen, und der atem flacher wird, während jetzt, plötzlich, über der blankweißen wand, ein schnappen auffährt, während ein gewaltiges brüllen ganz ganz leise wird, zwischen daumen und zeigefinger, das anreißen eines streichholzes, ein herzschlag, ein atemzug, ein speichelfaden, der wieder zurückführt zum anfang, der wieder zurückführt zum wort, das wieder zurückführt zur enter-taste, die wieder zurückführt in den augenblick vor dem augenblick, da man mit dem kopf auf der tastatur aufschlägt.