Füße keine, für Sonne, in Bäumen. Die Schatten der Vögel
rollen die Flugbahnen auf, bergen sie anfangs des Winds.
Leere des Raums, zu weit für Schall, zu müde für Wolken.
Quitten lösen das Licht, schal wie ein Luftkuß, vom Laub.
Füße keine, für Sonne, in Bäumen. Die Schatten der Vögel
rollen die Flugbahnen auf, bergen sie anfangs des Winds.
Leere des Raums, zu weit für Schall, zu müde für Wolken.
Quitten lösen das Licht, schal wie ein Luftkuß, vom Laub.
Muffig hängt heraus
das Dunkel zum Lüften im
Fenster des Nachbarn
Vögel am Mittag
als lösten die Schatten sich
ab von den Dingen
Eine Wolke steigt
Wind malt mit weichem Pinsel
Amseln an die Wand
Im Gezweig Sonne
die Fruchtspalten der Meisen
Schnitt durchs Augenlicht
Nachts dein Kleid vor dem
Fenster. Schamhaft im Dunkel
knospen die Kirschen
Das Fenster reckt sich
gähnend vor Licht, an Schuppen
sprießen die Leitern
Näher die Schatten
Kopf jetzt an Kopf, ich tauche
durch deinen Kragen
Meine in deiner
halten die Hände unser
Wachsein wie Anker
Als wären wir zwei
nur ein Wort im Gewölbe
lauschender Ohren
Wie eine alte römische Münze hängt der Mond am Himmel über der Häuserzeile, eine dünne Scheibe angefressenen Kupfers, erodiert und irgendwie uralt, schrundig, löchrig, dünn, als hielte den Himmelskörper nicht mehr viel zusammen, als könnte man bald durch das abgegriffene Material die Sterne dahinter leuchten sehen. Erst im Fernglas wölben sich seine Meere um den nördlichen Horizont, von wo schon eine Aufhellung wie metallischer Schimmer über den Himmelskörper fliegt, und über den Merkmalen der Landschaft scheint ein schmaler Reif wie Dunst zu liegen. Die südliche Hemisphäre des Trabanten dagegen glüht wie aus eigenem Licht tiefrot, als tauchte er eben aus einer Esse auf.
Langsam scheint er heller zu werden und dabei auszubleichen, aber der Vorgang ist so langsam, daß es auch Einbildung sein könnte. So wie bei einer Sonnenfinsternis auf der Erde gibt es auch bei einer Sonnenfinsternis auf dem Mond eine Dämmerungszone. Als dann aber wirklich eine schmale Sichel erscheint, ist klar, die Aufhellung war nur vermeintlich, jetzt erst bewegt sich der Mond aus dem Erdschatten wieder ins Licht, paradoxerweise nach oben, obwohl er doch untergeht. Aber es ist eben kein Halbmond, es ist Vollmond, dem nur die Erde im Weg steht. Erdrotation und Mondumlauf gehen in dieselbe Richtung (vom Norpol aus gesehen im Gegenuhrzeigersinn), weswegen auch die Mondunter- und -aufgänge täglich um etwa zwanzig Minuten später stattfinden, läuft doch der Mond der Erddrehung und seinem eigenen Auf- und Untergang voraus und verbummelt so seinen eigenen Aufgang.
Es fällt schwer zu glauben, daß der Grund, auf dem man steht, daß die Häuser gegenüber, daß die Stadt Köln, daß die Börde, die Eifel, die niederrheinische Tiefebene, die Nordsee mit ihren Wassermassen, daß die Berge der Alpen, daß alles, was aus meiner kleinen Perspektive „die Welt“ heißen kann, diesen Schatten wirft, einen Schatten dort hinauf wirft zum Mond, daß diese ganze Welt sich als Effekt zeigt außerhalb ihrer selbst, außerhalb von allem, was mir je zugänglich war, ist und sein wird. Als könnte man winken, und droben sähe man, riesig vergößert, den eigenen Arm sich heben.
Atmen des Schnees, der sich selbst erblickt in den Schatten der Vögel,
wo, wie aus Träumen der Schlaf, Stille aus Stille sich kennt.
Abends ankern die Türme und ziehen die Glocken ans Ufer.
Weithin hörbar der Wind, wie er vom Horizont spricht.
Kraniche setzten aus zwei einsame Paare am Feldrain.
Lang fiel ihr Schatten zum Weg, wo noch der Hagedorn glomm.
Alle Schritte verstummt, am Wegweiser lungern die Steine.
Unter dem Schatten der Uhr schließen die Fichten den Wald.
Nacht kommt mit Fahnen und Schiffen, die taglichten Namen des Stromes
hat sie dem spiegelnden Wind unter die Bilder gekehrt.
Hinter den Rändern von Wolken verbergen sich Bänder und Bögen.
Buchten fallen ins Land, wo es im Schilf sich verlief.
Schiffsrumpf, dem schwindenden Tag in die dämmrige Falte geschmuggelt,
taucht als des greisen Gotts Tempel am Hang wieder auf.
Weiden nehmen den Strom und führen in fort zu den Schatten.
Mondlicht, gekeltert aus den Fels, schenkt ihn den Rosen zurück.
Nicht mag ich satt mich sehn an den Staffeleien der Nymphen:
an ihrer Brüste Schwung mal ich mich kindischen Greis.
Einschluß im Saphir der Lüfte, wie Schrift durch Bögen hindurchscheint,
hängen die Krähen im Teich. Fern saugt der Himmel am Eis.
Eins der schwärzeren Szenarien für die Folgen der anthropogenen Erderwärmung ist einigen Experten zufolge, daß der Golfsstrom eines Tages versiegen und ganz Nord- und Mitteleuropa in ein Eiszeitalter gestürzt werden könnte.
Anderen Experten zufolge ist dieses Ereignis im Frühjahr 2018 bereits eingetreten.
Leuchtend der bleibende Ort, als gäb es hier sonstwas zu feiern.
Fichten, ein Hochsitz und Farn. Wiedererkennbares Hier.
Hier, sagst du, hier. Und der Ort ist durch Jahre derselbe geblieben.
Wünschtest, es bliebe das Jahr gleich auch am selbigen Ort.
Wünschtest, der Häher, der jetzt seinen Schrei durch die Wipfel geworfen,
hätte gerufen wie je, kehrte die Stunde zurück.
Ferner der bleibende Ort, die fliehenden Stunden verloren.
Wünschtest, der Ort blieb bei dir, Fichten, ein Hochsitz und Farn.
Wünschtest, auch du wärst geblieben, der einst hier als Wandrer gegangen.
Fichten, ein Hochsitz und Farn. Wiedererkennbares Ich.
Wieder die bunten Jacken, Gesichter, jung wie Laternen.
Blühend, wie niemals geküßt, schmeckten die Lippen nach Laub.
Immer kein Antlitz in Pfützen, die Fichten im Schatten von Glocken.
Zitternd ein Rest noch vom Licht letzten, ach, vorletzten Jahrs.
Klamm sind die Hände des Winds in den pelzigen Taschen der Sonne.
Schatten im kahlen Gezweig tauchen nach tieferem Blau.
Süßer jetzt schmecken die Küsse mit Borden aus Wind, der Kalender
sterbend um Tage sich schließt wie um den Zucker die Frucht.
Mädchen, ihr tauchtet ins Wasser die Lippen der durstigen Krüge.
Bebend von keuschem Naß stiegen die Küsse ans Licht.
Arbeit der dunkelsten Nacht. So stampften die Bäume den Acker
fest. Und die Pferde, vor Tag, nagten die Stürme vom Zaun.
~
Mitten im Schritt fehlt die Spur, als trügen den nächsten die Lüfte.
Hörendes Schweigen im Schnee, ewig aus Nähe geschöpft.
Den ganzen Tag das Trompeten der Kraniche, Schwarm um Schwarm ziehen sie, immer die gleiche Spur haltend, über die Stadt.
Wie hoch mögen sie fliegen? Man sieht die langen, schlanken Hälse, die Schwingen, es müssen gewaltige Schwingen sein, sähe man sie aus der Nähe. Sie flattern nicht, sie schreiten am Himmel, sie marschieren. Sie haben es eilig, sie halten sich nicht auf, als wären sie spät dran. Man hört sie, lange bevor man, knapp unter den tiefhängenden Wolken, ihre V-Formation entdeckt. Über den Köpfen ziehen sie vorbei, immerzu trompetend, und weiter und davon, bis das letzte Schwingenpaar im Dunst der Ferne verschwunden ist. Da taucht schon im Norden der nächste Schwarm auf. Manchmal halten sie inne, kreisen, als müßten sie über die einzuschlagenden Richtung diskutieren. Bald aber übernimmt ein anderes Tier die Führung, der Keil formiert sich, und weiter geht’s. Wenn man ganz genau hinhört, kann man das Rauschen an den gespreizten Schwungfedern hören.
Sie sind wunderschön.
Kaum jemand am Grund schaut auf, obwohl das Trompeten nicht zu überhören ist. Alle, scheint es, haben hieniden wichtigeres zu tun. Aber das stimmt ja nicht.
Die Kraniche sind es, die wichtigeres zu tun haben, bedeutsamere Geschäfte als wir, denke ich, und ich schaue und schaue, bis mir der Nacken schmerzt. Und: Nicht sie sind spät dran.
Wir sind es, mit allem.
Schwärzer die Erde sprießt, wo die Weite von Flügen erblindet.
Tiefer der Himmel blaut, fallend ins sterbende Lid.
Tief im Gedächtnis des Juni versenkten die Tonnen den tiefsten
Spiegel. Wie Jahre im Schlaf sah sich das Sternbild im Traum.
Wieder stoßen die Wege ans herrische Bellen der Zäune.
Abseits, gejagt von Licht schlägt sich das Feld in den Busch.
zurückgeschöpft in
die größere erzählung
der zeit geht das jahr.
als kehrte ein vers
buchstabe für buchstabe
in sich selbst wieder
hinter den spiegeln
stille aus eis. sich selbst nach
lauschen die wörter
wo der weg endet
ruht sturm im gewaltigen
auftakt des schweigens
plötzliche stille
nach dem lärmen der flocken
welt im stundenglas
im kristallgesicht
lippenstiftspuren des wilds
geschmückt zum tode
eis auf dem tümpel
unter dem lid betrachtet
der spiegel sich selbst
ich sah dich den grund
küssen, lippennachbild in
der netzhaut des schnees
halt unter fichten
einem verfehlten tritt nach
lauschen die spuren
eben noch im firn
ein lächeln ohne mund, hell wie
schatten von engeln