Lichtwochen und ein Blick (4)

Er löste ein Puzzle in diesen zerbrechlichen Tagen. Nachmittage lang kniete er auf dem Boden, nur mit einem Schlüpfer bekleidet, ein nasses Handtuch auf Rücken und Schultern, und sortierte Teile nach Farbe und Strukturen, probierte, schob herum, verglich feinste Schattierungen Himmelsblau, versenkte sich in die Vorlage, versuchte, eine Linie wiederzufinden, ein Farbknötchen, ein unscheinbares Fleckchen Gewölk. Hielt manchmal ratlos inne und starrte dann minutenlang durch den Fußboden, bis die verstreuten Puzzleteile sich voneinander wegzubewegen begannen, mehrere tausend Ausschnitte: ein Meer, Tümpel, Wolken, Wellenkämme, das Stück eines Felsens in einer Klippe in einer Küstenlinie, Stückchen vom Stückchen vom Stückchen, in hunderten völlig gleichartiger Teile geborstener Himmel, über den der transparente Schatten der Gardine strich: Pappstücke, die die Silben einer Entdeckung enthielten und für sich behielten, deren Sinn sich erst im Gefügtsein ergäbe, wie es hier und da, in Inseln plötzlich aufscheinenden Wiedererkennens, noch getrennt, aber schon im Griff des einen nach dem andern, sichtbar wurde.

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0 Gedanken zu „Lichtwochen und ein Blick (4)

  1. Du versammelst so viele schöne Worte bei dir.
    Und wie du sie dann anordnest: Alle fügen sich ineinander, wie von selbst.
    Ich staune immer wieder über den gegenseitigen Respekt deiner Worte zueinander.

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