Catull V (L. küssen)

VIVAMUS mea Lesbia, atque amemus,
rumoresque senum seueriorum
omnes unius aestimemus assis!
soles occidere et redire possunt:
nobis cum semel occidit breuis lux,
nox est perpetua una dormienda.
da mi basia mille, deinde centum,
dein mille altera, dein secunda centum,
deinde usque altera mille, deinde centum.
dein, cum milia multa fecerimus,
conturbabimus illa, ne sciamus,
aut ne quis malus inuidere possit,
cum tantum sciat esse basiorum.

Wir wollen, Lesbia, leben und uns lieben,
und mißgünstiges Reden strenger Greise
soll uns nach Herzenslust gestohlen bleiben.
Allein die Sonne sinkt und steigt doch wieder:
Wenn unser kurzes Lebenslicht gesunken,
so schlafen wir in Finsternis für immer.
Oh, gib mir tausend Küsse, danach hundert,
darauf ein zweites Tausend, nochmal hundert,
und sogar nochmal tausend, nochmals hundert.
Und dann, nach abertausend Abertausend,
verzähl’n wir uns, damit wir’s selbst nicht wissen,
und keiner sie uns übelwollend neide,
die Küsse, wenn er weiß, wieviel es waren.

7 Gedanken zu „Catull V (L. küssen)

      1. Leben, Lesbia, laß uns das, und: lieben —
        soll’n sie geifern, die trocknen Tugendgreise,
        keinen Heller, nicht einen gib darauf!

        Der Rest müßte noch mal in die Textwerkstatt, bevor er ans Licht des Tages dürfte. Lohnt sich aber nicht; Ihrs gefällt mir ohnehin besser.

        1. Ach, die alten Hüte.
          Ich finde es schwierig, das, was im Lateinischen in der Wiederholung so leicht und überschäumend klingt, im Deutschen durch Wiederholung zu erreichen. Man müßte vielleicht doch weg vom Original.
          »Gib mir tausend, gib mir hundert Küsse,
          küß mich wieder tausend-, küß mich hundert-,
          tausend-, hundertfach küß mich, küß mich wieder …«

          Na, ich weiß nicht. Leichtigkeit ist eine schwierige Sache.

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