Wuppertalsperre

Schon beim dritten Besuch ein alter Vertrauter: der Felsenfleck an der Höchstener Landzunge. Ab da geht es wirklich ins Offene, entferne ich mich definitiv von Rucksack, Handtuch und Klamotten. Das Wasser still, glatt, dunkel, mein Kielwasser die einzige Kräuselung, ich enpfinde fast ein Bedauern darüber, die glattgestrichene, perfekte Fläche zu zerschneiden, und nehme mit Befriedigung zur Kenntnis, daß das Wasser sich hinter mir wieder zum kratzerlosen Spiegel schließt.

Etwas unangenehm nur, gegen das Sonnenlicht zu schwimmen, mit zunehmend beschlagener Brille, das bewaldete Ufer verliert die Konturen und tritt in eine schattige Nichtentfernung ein. Rechts ein paar hundert Meter weg die wie gewaltsam ins Wasser tretenden Säulen der Krähwinkler Brücke, leuchtend in der Morgensonne. Autolärm fliegt von dort übers Wasser. Jenseits davon wird unweit der lächerliche Schwimmbezirk der einzigen offiziellen Badestelle des ganzen Stausees liegen, eingepfercht durch eine Bojenkette, damit niemand übermütig werde. Schon was ich während der ersten fünf Minuten zurückgelegt habe, ist dreimal so lang wie die Strecke zwischen Strand und Kette, und dafür soll ich auch noch Geld bezahlen?

Ich schwimme, umsonst und draußen. Unbeaufsichtigt, unversichert und frei.

Der schönste Moment war vielleicht, wo vier, fünf Meter vor mir zwei Gänse vom Wasser aufflogen, einen Strauß silbriger Trofen hinter sich her ziehend, in meiner Erinnerung werden die Tropfen minutenlang schwerelos in der Luft hängen.

Wenn ich das noch ein paarmal mache, bin ich für für jedes gekachelte Wasser verloren.