(Während die Kassiererin und ich auf eine Preisinformation warten (die Wodkaflasche hat keinen „Scanner“, mithin ist die Kasse so hilflos wie ein Fisch auf Rollschuhen), starre ich müßig auf den Kassenbildschirm, wo die Summe meiner Einkäufe noch auf die 4,99 der Wodkaflasche wartet, und da bemerke ich, wie etwas zuckt, wie da Zahlen aufscheinen, zunehmen, wieder abnehmen, auf Null zurückgehen, wieder anwachsen, 71, 125, 234, 113, 87, 0, 126, es sieht aus wie eine geheimnisvolle Botschaft, vielleicht von der Matrix, oder elektromorphe Aliens sehen keinen anderen Weg, mit uns in Kontakt zu treten, vermuten vielleicht, die Kassenbildschirme könnten irgendeine sakrale Bedeutung für uns haben. Oder verstärken sich gerade Resonanzen im freidrehenden morphogenetischen Feld dieses Supermarkts? Aber es sind nur die Finger der Kassiererin, die, ebenso müßig wie ich, mit den Fingern trommelt, und zwar auf die vor ihr befindliche Gemüsewaage. Jedes Auftreffen des trommelnden Fingers erzeugt ein Signal, das als Gewicht ausgegeben wird, eine Art Mini-Hau-den-Lukas. Die Kassiererin, ahnungslos über die schräg hinter ihr ausgegebenen Meßwerte ihrer Trommelei, schafft 435 g, dann wird sie des Trommelns überdrüssig und läßt die Hand – 250 g Fleisch, Haut und Knochen – locker auf der Waage liegen.

Das Prinzip des Elektrofechtens (Fechten mit elektrischer Trefferanzeige) besteht darin, daß beim Treffer die Spitze der Waffe (Degen oder Florett) mit einem definierten Gewicht belastet und gleichzeitig (beim Florett), über eine leitfähige Weste, mit der die Trefferfläche definiert werden kann, ein Stromkreis geschlossen wird. Im Wettkampf muß vor jedem Gefecht die Funktionalität der Waffen getestet werden, wofür es geeichte Gewichte gibt, hohle Metallzylinder, die auf die aufgerichtete Waffenspitze gesteckt werden. Besonders diensteifrige Fechter, erinnere ich mich, gingen bei dieser Prozedur buchstäblich in die Knie – um dem Schiedsrichter die Arbeit zu erleichtern. Auf einem Bein kniend, die Waffe aufs Knie des stehenden Beins gestützt und kerzengerade erhoben, erinnerten sie mich immer an Novizen, die nach der mit Gebet und Andacht verbrachten Nacht in der Kapelle den Ritterschlag erhalten sollen.)

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