Zwischenruf

Jetzt, wo alle Welt wieder von Frankfurt spricht: Wie wäre es denn mal mit einer Messe für Literatur? Ein publikumsoffenes internationales Symposium (jährlich unter einem anderen Motto stehend), in dem ein paar Tage lang über Texte und nur über Texte gesprochen, gedacht, diskutiert und gern auch gestritten wird, kommerz- und wettbewerbsbefreit, lustig, hitzig, witzig, inspirierend. Die Publikationsformen wären egal, es ginge nur um den Text. Werbung und Verkaufsstände wären verboten. Autoren wären zugelassen, dürften aber nicht als solche auftreten (dürften also beispielsweise einen Vortrag über einen nicht selbst verfaßten Text halten, an einer Diskussion über einen nicht selbstverfaßten Text teilnehmen, nicht aber aus dem eigenen Werk lesen, Interviews geben, Signierstunden abhalten etc.)
Nicht umsonst heißt es ja Frankfurter Buchmesse, nicht *Frankfurter Literaturtage. Buch und Messe. Es geht um Bücher und um Geld, keineswegs um Texte. Die Texte sind ja im Grunde egal, solange sie sich nur verkaufen lassen. Sofern sich nur Käufer finden würden, könnte man auch über reine Attrappen sprechen. Das Buch ist eine Ware, und für Waren gibt es Messen. Für Literatur müßte man sich etwas ganz anderes einfallen lassen. Aber vielleicht will man das ja auch gar nicht.

0 Gedanken zu „Zwischenruf

  1. Ich denke Literaturtage gibt es auch, nur sind sie nicht so groß aufgemacht, da – ähnlich wie Plattformen für positive Nachrichten – für Medien nicht so interessant sind. Und warum sind sie für Medien nicht interessant? Weil das Publikum es nicht interessant findet offenbar. Bin mir zwar nie sicher, was hier Ursache und Wirkung ist, aber ich vermute mal, dass der Mensch nach Sensationen giert, muss ein Instinkt sein. Eine Spektakelshow und Crashs irgendwo in der Welt werden eher wahrgenommen als leisere Töne.

    1. Man denkt fast automatisch an Klagenfurt. aber Klagenfurt, man erlaube mir den Vergleich, ist doch nur so eine Art von DSDS für Literaten und wahrscheinlich genau deshalb so spektakulär berühmt.

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