Windspiel

Morgenlicht senkt sich auf den Stamm der Birken. Überm Fensterrahmen des Balkons zerfließt goldenes Frühlicht. Lange Schatten umkreisen den kleinen trockenen Brunnen, feierlich wie uralte Pilger.
Nachts hat plötzlich das sonst stumme Windspiel aufgeklungen, eine sanfte Quarte, aufsteigend, absteigend, ein leises Signal. Dabei ging gar kein Wind, kein Lüftchen regte sich, stumm waltete die Nacht ihrer Reiche. Da plötzlich dieser Ton, Kling, Kling, als habe das Windspiel beschlossen, von selber zu tönen. Tiefste, verstörende Dunkelheit, ortlos, noch Stunden bis zum Weckerklingeln.
Das Riesenbett rings um den Jungen, ein Meer aus weißer Leichtigkeit, die sein eigenes leichtes Gewicht zum Schweben bringt. Kaum, daß er einsinkt in die Matratze. Sein Haar ist verworren, steht ihm vom Kopf ab, kräftig wie Flammen. Wie schmal seine sonnengebräunten Ärmchen sind. Grellweiß die Gaze rings um den Venenzugang. Wie leuchtend seine Augen, wenn er sie öffnet und uns ansieht, stumm.

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