Beim Laufen (Heimerzheim, Kottenforst)

gestern wieder im wald laufen, nur noch vereinzelt liegt eis, an wegkreuzungen und lichtungen, wo wegen der fehlenden baumkronen mehr schnee gefallen ist; aber es ist nicht mehr gefährlich, das eis ist mürbe, rauh, rissig und gibt unter den tritten bereits nach, man kommt ganz gut dran vorbei und dran vorüber.
zwar ist das meiste geschmolzen; dafür sind jetzt aber alle unbefestigten wege vom vielen schnee und jetzt durch dauerregen komplett durchgeweicht und verschlammt, der mehrmals gefrorene und wieder aufgetaute boden ist durch die ausdehnung des eingedrungenen und später gefrorenen wassers schwammig aufgedunsen und weich; überall steht das wasser in breiten pfützen, tümpel säumen die wege, raupenfahrzeuge, pferde und autos haben das übrige getan, um die meisten pfade in schlammpisten zu verwandeln, mit einem wort, der wald ist ein einziger sumpf. bis das drainiert und trocken ist, können wochen vergehen. ich bemerke an mir selbst eine merkwürdige gereiztheit, wenn das, was zunächst nur ein paar schritte über matsch schien, fünf schritte später immer noch matschig ist, hundert meter weiter keine besserung eintritt, nach hundert sich nichts geändert hat, bis man endlich mit vom lehm bereits schweren schuhen begreift: so geht es jetzt kilometerlang weiter, und sich der weg übers feld bis in die nebelige weite hinein von pfützen punktiert und von raupenketten gestriemt hinzieht. in solchen augenblicken könnte ich laut schreien vor zorn, und manchmal tu ich es auch.

Bornheim

Vorübergehend wieder eine Tiefe am Himmel, hell, grell und scharf wie ein Sturz, der dauert und dauert und nirgends aufschlägt. Hinter den Lidern dunkle Kreise, Musiktakte lang, ein Flimmern an den feuchten Brauen. Dann ist es schon vorbei, ein Rabe flattert aufs Feld, eine Scholle verschluckt seinen Schnabel, drüben an den Hängen erlöschen die Häuser, die Wolkenfalle schnappt zu über den Ohren und einem Obstbaum, der seinen Schatten frierend in sich zurückzieht und dann klirrend erlischt.