Selbstwählend

Ich begreife es plötzlich in dem Augenblick, da ich zum Telephonhörer greife. Ich habe gar nicht darüber nachgedacht, wen ich anrufen will. Ich mußte nicht in mich hineinhorchen, um herauszufinden, wer nun gut für mich ist. Wer mir Trost spenden kann. Natürlich. Einzig. Wer sonst. Die Nummer wählt sich von selbst.

„Soll ich dich mal in den Arm nehmen?“ Und sie nahm mich in den Arm. Dann sang sie. Wir lümmelten in ihrem Bett, und sie spielte Guitarre und sang. The man who couldn’t cry. Σαμνιότισσα. Η Μάγια. Irgendwas von einem Duo, das sich Indigo Girls oder so ähnlich nennt, und das sie immer singt, und das wunderbar traurig und tröstlich zugleich ist, and I walked to the mountains and I drank from the fountains … Danach kommt mir der Gedanke, Doppelpunkt, sie ist der Mensch, der mir zu Zeit am nächsten steht. Ohne den es verdammt eng würde. Der Mensch, den ich um mich haben möchte, dessen Nähe ich entbehre, bei dem ich mich ausweinend furchtbar schwach und erbärmlich sein darf, wenn es hart auf hart kommt, so wie neulich.

Das kann ich gut finden oder nicht, kann es wollen oder nicht, kann mich dagegen auflehnen, mit den Schultern zucken, mich selbst verlachen oder ohnmächtig mit dem Kopf gegen die Wand rennen – es ist einfach so, es ist nicht zu ändern.

eis überm …

Eis überm
Herd Fenster voll
Wind und du sagst
„wieder“
ein Irrtum denn Zeit
läßt sich nicht pressen in Formen
im Wasserglas wird die Stille
schal
ungeachtet des
Tickens im Staub
unter den Beinchen einer Spinne
häuft es sich Heimlich an
Ticktack
Zufällig am Ort winterlang
Pilgerinnen drüsiger Wände
Emsig streifen Motorräder
halbe Tage strecken die Hand aus nach dir
entkleideter Nächte
weißt du nicht wohin
den Stunden ist
vieles peinlich
im See
spiegelt sich etwas das andernorts andrerzeit
oder
andernherzens ein geliebtes
Antlitz war hätte werden sein wollen können
zu Grund
schnabelvoll Geschrei als obs
so sein müßte darüber wobei
Zeit
sich absetzt auf Gießkannen, leer von Grün
letztjährig verjährte Fingerspitzen
krabbeln eine Kälte entlang so lange
ist Frühling nicht wie es noch –
„ein Irrtum“ denkst du obwohl
manchmal alles so sicher schien