daß das hotel untergeht … ob das eine gute idee ist? wofür soll das stehen, steht es überhaupt für irgendwas, heißt literatur, daß das unerklärliche damit geklärt werden kann, daß es für etwas anderes steht? ein symbol ist? eine allegorie? letztere deutung, würde sie jemand versuchen, wäre grauenvoll, kann ich doch allegorien nichts abgewinnen. sehr dagegen schätze ich Robert Gernharts gedicht „bei der deutung eines allegorischen gemäldes“.
also, was mache ich mit dem hoteluntergang? ich laß ihn stehen. ich muß nichts erklären, dafür gibt’s germanistikprofessoren. für irgendwas müssen die schließlich gut sein. nur funktionieren muß es, was immer das heißen mag, ja, was immer: ich muß fühlen, daß es paßt – und daß es sich einer allegorischen verwurstung elegant aber hartnäckig entzieht. ich fürchte aber gerade, das tut es nicht.
untergänge haben mich schon immer fasziniert. in griechenland keimte der plan auf, eine tetralogie zu schreiben, untertitel: vier untergänge. mehr verrate ich nicht, denn vielleicht schreibe ich das ding ja wirklich irgendwann einmal. frühestens dann, wenn der 30-stunden-tag und die 10-tage-woche eingeführt werden und es stipendien für arbeitsscheue künstler geben wird.
also untergänge, katastrophen. nicht der banale typ („Der Schwarm“), nicht der sci-fi-typ, oder wenn sci-fi, dann bitte so, daß am ende weniger klar ist als am anfang. und außerdem wirklich und wahrhaftig ein untergang, kein drohender untergang, der noch einmal vereitelt wird, nein, wirklich das ende. es muß nicht gleich im totalschlag das ende einer zivilisation sein; eine stadt, eine institution reichen schon; es muß aber so angelegt sein, daß sich jedes rätseln über gründe und ursachen (innerhalb der geschichte) von vornherein verbietet. außer natürlich (außerhalb der geschichte) für die germanisten. vorbilder, die mich dabei beeinflussen: „Picknick am Wegesrand“ von den gebrüdern Strugatzki (obwohl dort die welt nicht untergeht); „The City of Last Things“ von Paul Auster; „Die Wand“ von Marlen Haushofer (obwohl ich das nie gelesen habe).
in einem solchen sinn geht denn auch das hotel zugrunde. grundlos, außer vielleicht einer autobiographisch motivierten süßen rache. aber das ist jenseits der literatur, und geht, auch wenn sie so etwas total geil finden, die germanistikprofessoren gar nichts an.
Kategorie: Tagewerke
auf ein neues
irgendwann eines mittags vor gut einem monat erhob ich mich aus hellgelbem mittagsschlaf, ein paar sätze und bilder waren da, ausgegraben noch im traum, herübergerettet ins kissenbewußtsein, grübelte dem eine weile nach, fragte mich, ob es sich lohnen würde, das aufstehen, die wand direkt vor der nase, so müde noch, so müde, aber die worte erwiesen sich mal wieder als wichtiger.
ich öffnete den computer und schrieb eine seite.
das thema war schon mehrmals flüchtig in meinem kopf gewesen, wann zuerst, weiß ich nicht mehr, und auch nie besonders präsent oder dringlich, als nächstes anzugehendes projekt nach dem projekt schon gar nicht, eher so „das müßte man auch mal irgendwann machen“. und das tu ich nun.
und das andere, das projekt, die 8 jahre herumtexten und herumkrampfen und herumschlawinern um den heißen, unantastbaren brei? das liegt nun in einer, wie ich hoffe, dereinst fruchtbringenden brache. in einer schublade, die einen spaltbreit offensteht, damit ichs nicht vergesse. möglich scheint es mir gerade nicht, vielleicht muß ich wachsen und meine sprache mehr mir untertan, mir mehr werkzeug sein, als ich werkzeug und untertan der sprache, wies mir immer noch vorkommt. vielleicht brauch ich abstand, vielleicht fang ich nochmal von vorne an mit der rückwärtsprojektion – hat das mal jemand gemacht, außer mir, frage ich mich, eine ganze geschichte nicht nur von der bedeutung, der syntax und semantik des schlußsatzes zurückentworfen sondern von seinem bloßen klang?
genau das ist mir zu eng geworden. ich habeden weg nicht gefunden in dieser enge. den weg nicht durch diesen klang und mit diesem klang. oder besser: ich habe den klang selbst nicht gefunden. wie eine kadenz auf dem klavier, man weiß, wie sie klingen soll, man imaginiert sie, man hört sie vorweg aus dem letzten spannungsakkord – doch welche Tasten man auch immer anschlägt, es ist wie verhext, die vorstellung will einfach nicht klang werden.
das ist jetzt anders. der neue gedanke eröffnet unendliche räume, alles ist assimilierbar und dehnbar, der rahmen ist so weit, daß eine ganz welt hineinpaßt. und um genau das geht es: eine welt. eine welt, deren grenzen beim schreiben offen bleiben dürfen. es ist ein wundervolles gefühl, endlich drauflosschreiben zu können, loslaufen über die hügel und sehen, was dahinter ist. alles, was an wilden gedanken kommen mag, zulassen und annehmen. nichts verwerfen müssen. eine buntschillernde welt schaffen dürfen und eine reise durch diese welt angetreten haben, deren ziel unbekannt ist, vorbei an wunderbaren städten, deren name erst aus der ferne aufschimmert, ein name, von dem ich selbst nicht weiß, was er birgt.
Obwohl mir Ratschläge
obwohl mir ratschläge unheimlich sind und es wohl immer bleiben werden, zumindest die konkreten: es geht voran und es geht ganz leicht. ganz leicht! und zwar deshalb, weil ich (fast) alles darf. weil ich es mir endlich erlaubt habe, wenn nicht in der geschichte, so doch in der neuen. dabei überrasche ich mich selbst, in mehrfacher hinsicht. mein anderes ich, das ich der geschichte, das doch auch ich selbst ist/bin, handelt/handele in einer weise, wie ich es ihm/mir nie zugetraut hätte. ich frage mich, was er/ich von sich/mir selbst halten mag …
die begegnung mit der silbernen prostituierten beispielsweise ist so gar nicht typisch für den autor.
Lehrgang
Errungenschaft des Wochenendes: Ich weiß jetzt endlich, wie Blocksatz geht.
Und rechts.
Und inne Mitte.
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wald der möglichkeiten
Beschäftigung mit den verwandten Plänen anderer wirft sich zurück auf meine eigene Situation und weckt prinzipielle Fragen auf, die, nein, nicht schliefen, aber immer wieder glücklich sich verdrängen ließen und lassen. Immer wieder am selben Punkt. Ich bin doch schon da, wo ich hinwollte. Oder nicht? Ist das Aufgeben des Veröffentlichungsgedanken nur ein Rückzug, ein selbstbetrügerischer Verzicht, gewissen zu sauren Trauben nicht unähnlich? Und zufrieden kann ich erst sein, wenn ich mit dem „Werk“ zufrieden bin. Und von dessen Ausformung in einer Gestalt, mit der ich zufrieden wäre, bin ich fürchterliche Meilen entfernt, oder besser: Jahre.
Klar, danach wäre etwas Neues zu erringen. Aber dann hätte ich doch wenigstens schon mal was. Etwas Abgeschlossenes, auf das sich blicken ließe. So hänge ich mir selbst im Raum meiner Träume und Ansprüche fest. Ich schreibe noch nicht, ehe ich geschrieben habe.
Daß aber nur als Lebensweltproblem. Davon unabhängig sind die technischen Probleme
Und die sind schwer zu erfassen.
Dramaturgie? Szenengestaltung? Spannungsaufbau? Wechsel von beschreibenden und erzählenden Passagen? Was sage ich wann wie? Aber wieviel läßt sich überhaupt lernen?
Ein Exposé hab ich schon oft versucht. Problem (und da kann mir kein Kurs helfen): Es ändert sich ständig. Ich kriege keine story line zu fassen, die dem Eindruck, den ich vermitteln will, angemessen wäre. Hab schon zig Handlungsverläufe und Konstellationen durch. Es kommt nicht das raus, was ich will.
Ich zäums von hinten auf. Stehe am Ende und frage mich, wie es dazu kommen konnte, in den vielen Einzelheiten, die so arrangiert sein wollen, daß sich ein ganz bestimmter Eindruck daraus ergibt. Sich im Kopf des Lesers quasi synthetisiert aus dem vielen Einzelnen, das ich zu diesem Zweck anordnen muß. Es muß etwas geschehen sein, damit dieses Ende so zustandekommen kann. Das Problem ist das, was am Ende nach- und mitschwingen soll. So wie sich das Gesamtgeschehen einer Symphonie angehäuft hat, wenn der Schlußton verklungen ist. Die gesamte Stimmung ist nur in wenigen Absätzen aufrechtzuerhalten. Ich weiß nicht, welche kleinen Schritte (Wörter, Sätze, Phrasen) ich wie zusammenstellen muß, um eine bestimmte Gesamtatmosphäre zu erschaffen, die gleichsam in den Schlußsätzen mündet und in ihnen gipfelt. Ich kann nicht einfach drauflosschreiben und mich selber überraschen. Ich fühle mich ein bißchen wie ein verrückter Ingenieur, der einen Haufen Drähte, Stahl, Plastik und Schaumstoff in die Luft wirft und hofft, daß sich daraus eines Tages ein Flugzeug ergibt. Das Ergebnis steht schon fest, aber wie dahin gelangen? Und dazu ist es ein so diffuses Ziel, daß ich mich selbst verlaufe im Wald der Möglichkeiten.
vom schreiben
mir geht auf, daß mir das von mir am besten gefällt, das mich selbst überrascht. so, als wäre es von jemand anderem. ohne jedoch nachahmung zu sein. so, als spräche durch meinen mund eine andere person. vielleicht ist es ja das gefühl, zu dessen erklärung die alten die musen bemühten.
Schreibhemmnisse
Momentan ist da wieder einmal der Eindruck, niemals im Leben so schreiben zu können, auch nicht dereinst, wenn ich groß bin oader wannauchimmer, wie ich es mir vorstelle, daß ich müßte. Hab gerade wieder ein Buch verputzt, das mir sozusagen mein eigenes Erträumtschreiben vorgeführt hat. Ist desillusionierend und ernüchternd. Ziemlich. Zu sehen: So hat es schon einer formuliert, jetzt mußt du dir wieder was Neues ausdenken. Noch besser als Herbst war der. Schon schlimm. Vor allem, weil es nicht einfach nur gut war. Gut schreiben viele, aber die Bewunderung fällt nicht schwer, wenn es auf eine Weise gut ist, die zu den eigenen Vorhaben nicht „passen“ würde und also von mir nicht erstrebt wird.