Phrasen

Wie mir bestimmte Schlagwörter (Neoliberalismus, Globalisierung, Digitalisierung, Konsumgesellschaft, Patriarchat, Klimawandel, Konzern, Gewinnmaximierung etc.) jeden Sachtext von vornherein verleiden. Sobald eins davon aufscheint, klingt es immer so, als würde jemand eine auswendig gelernte Lektion herunterbeten, nachdem alle anderen Schüler sie auch schon heruntergebetet haben. Wirklich Originelles, darf man vermuten, ist nicht mehr darunter. Wir haben schon alles durch. Es bleibt, zu handeln.

Zum Beispiel in dem Nerd-Buch von Sibylle Berg. Da steht meistensteils auch nur das, was alle anderen auch schon gesagt haben. Und bei Sätzen wie diesen etwa: “Die heutige Weltordnung stößt an ihre Grenzen. Wir überbeanspruchen die Ressourcen der Welt. Das führt zu Engpässen, Konflikten, Kriegen, Massenmigration usw. … Um [das Problem] zu lösen, bräuchten wir einen Umbau unserer Wirtschaft und Gesellschaft — und zwar weltweit” oder diesen “Wir müssen aus unserer Konsum-Lethargie ausbrechen …” (Dirk Helbing, ETH Zürich, TU Delft) denkt man ja nur noch, ach ja. Verblüfffende Lösungen jeneits von schmerzlichen Rückschnitten sind da nicht zu holen — die aber, die Schnitte nämlich, werden uns ja schon andernorts und ubiquitär um die Ohren gehauen. Nicht, daß es nützen würde. Abgesehen davon, kann man es nicht mehr hören. Man tut ja schon fast alles. Man fährt kein Auto, hat noch nie eines besessen, man fliegt nicht, man fährt Rad mit Muskelkraft, der letzte Urlaub war in Darmstadt an der Bergstraße, man besitzt kein Mobiltelephon, man trägt die Klamotten, bis sie auseinanderfallen und kauft ansonsten Kleider im Gebrauchtwarenkaufhaus, man ißt wenig Fleisch und nur saisonales Obst und Gemüse, man heizt erst ab unter 16° Raumtemperatur, man duscht ausschließlich kalt, sommers wie winters. — Und? Nix is. Es ist grad egal. Aber das nächste Buch mit dem Untertitel Wie wir den Klimawandel in den Griff kriegen erscheint sicher dieser Tage.

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