Diese Traurigkeit, die ohne Anlaß aus dem Nichts kommt, abends, kurz vorm Schlafengehen, und sich einfach nicht greifen läßt und nicht deuten: Sie ist nicht besonders zudringlich, diese Traurigkeit, aber auf einmal ist der Boden weg. Ich fasse etwas an, ich hebe etwas auf, lege es wieder hin, ich schlage ein Buch auf, starre auf die Buchstaben wie auf ein fernes Segel am Horizont, klappe es wieder zu. Ich zucke mit den Schultern, ich probiere es mit Seufzen. Stirnrunzeln Du wirst doch jetzt nicht weinen wollen! Nein, weinen geht auch nicht.
Es ist das Gefühl, keine Heimat zu haben, keinen Anschluß ans Außen. Alles ist im Innenraum gefangen, zwar gibt es Signale von außen, aber kein Signal von dort hat die Bedeutung eines Kontakts. Es ist ein bißchen wie als Wort in einem Satz zu schweben, den die Welt liest und liest und nicht versteht, obwohl die Bedeutung aller Wörter bekannt ist. Lies mich! Aber die Welt liest mich nicht, sie erfaßt meinen Sinn nicht, sie plappert mich nur nach. Von Sekunde zu Sekunde noch einer wie ich. Und wieder ich, und ich, und ich.