Man muß ja nicht, wenn man sich schon nicht mit aller Macht gegen den zweiten Hauptsatz der Thermodynamik stemmt, diesem auch noch Vorschub leisten, indem man Verfall, Verlust und Vergessen befördert. Das Gute ist stets knapp — und geht von alleine flöten. Es gilt immer und überall, das Seltene, Flüchtige, Gute, Reiche und Schöne zu bewahren. Nur wir Menschen haben Archive und Museen und führen Tagebuch. Ich hätte gerne einen Film meines eigenen Lebens, in dem jeder einzelne Augenblick festgehalten ist — ja, auch die unangenehmen und peinlichen. Für niemand anderen als für mich. Ich stelle mir vor, daß, wenn mein Bewußtsein erlischt, dieser Film bleibt; daß, wenn kein neues Erleben mehr stattfindet, dieses Leben, dieser Film in alle Ewigkeit (aber was für eine Bedeutung hätte Ewigkeit in dieser Begrenzung?) bleibt, dieses Leben wieder und wieder erlebbar oder wenigstens nachvollziehbar bleibt für das Bewußtsein, das es einst eingesammelt hat. Das Böse, der Tod, das Ende, der Zerfall, der zweite Hauptsatz der Thermodynamik ist unerbittlich — wo aber ist das unerbittlich Gute?