(Vortag, Festland) Wind ohne Wellen, Wasser ohne Haltung. Aquarellierter Himmel, darunter liegen die Fernen dunstig und eng beisammen. Was man gerade noch sieht, ist schon unzugängliches Sagenland: tropische Wälder auf Inseln, Türme von Schlössern, Leiber wandernder Tiere am Horizont. Der Wind hält sich mit dem Wasser nicht auf, er kommt direkt vom Horizont herangeflogen.
Wir sitzen in den Spiegelungen der Fenster beim Frühstück, es ist sieben Uhr, noch Nacht in diesen Breiten, die Lichter des Fähranlegers schweben in der Dunkelheit, mal weiter, mal näher, je nachdem man die Höhe überm unsichtbaren Wasser schätzt. Wir sehen die 7:15-Fähre, die Brücke dunkel, hinter den Panoramafenstern des Zwischendecks glimmt eine schwache Beleuchtung. Die Tage sind kürzer als im Süden, wo wir herkommen, und wo um diese Zeit schon der Morgen graut. Erst Ende März werden alle gleichauf sein, bevor der Norden überholt.
Eine kaum merkliche Verschiebung der Fensterreihe des Zwischendecks verrät, daß die Fähre ablegt, dann erscheint ein bislang verdecktes Positionslicht, dann ein weiteres. Der Körper wendet sich, die Masse löst sich von der Verankerung und nimmt, nunmehr voll sichtbar mit allen Positionslichtern, Kurs auf jene schmale Lichterkette, fern wie eine Milchstraße, die das nächste Eiland bezeichnet. Dazwischen, irgendwo weit draußen, blinkt eine Fahrrinnenboje grün — später, bei Tageslicht, wird man sehen, daß sie kaum hundert Meter vom Ufer entfernt in der Hafeneinfahrt installiert ist. Im Scheinwerferlicht sieht man das Wasser am Bug wie ein Knäuel Mäuse aufschäumen und ins Schwarze der Nacht zurückwallen. Bis die Fähre um die Landzunge der Insel herum verschwunden ist, hat auch der Tag dort das ferne Ufer erreicht.