Atalante (1)

wieder alles anders. neue wege plötzlich aufgeschienen, neue blicke. du also. wie kann das sein. ein briefchen hier, ein lachen da, eine halbe stunde im sonnenlicht beim kaffee. John Donne und Nabokov. du also. seit monaten gehen wir nun jede woche in die mensa, aber es war nie die frage … diese frage nie. warum jetzt, wie jetzt, wie kommt das alles? ein gruß hier, ein wunsch da, ein blitzender löffel auf dem tisch. du also. Mela-Meli. nenne dich Schwarzäugige. Schwarznamige. nenne dich Atalante-Atalanta. ein ängstlicher Melanion-Hippomenes, rüste ich mich zum lauf.

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In der Stadt (Atalante)

Vor so viel Licht die Hände vors Gesicht schlagen.
Nein, es ist nichts passiert. Vollmond war, und zur Abendstunde öffneten sich rostige Gitter zu Löwenzahn und Fliederduft. Farbe blätterte von der Sonne ab. Verquollene Holzlatten, Kastanienkerzen, Traubentage. Spielzeug vergaß zwischen hohem Gras seine knallbunten Farben, ein Roller, ein Schubkistchen, ein Schäufelchen, abgelegt, ein vergessener Sommer, verstoßener Gefährte August. Eine Zeder roch nach Süden nahebei. Später kam der Wind aus blankgefegtem Himmel und blies uns den Wein aus den Gläsern. Viele Schritte durch eine laute Stadt geschleppt. Überall lagen die Sonnenstrahlen überkreuz, der Asphalt gleißte, die Bäume schüttelten Licht aus, und obwohl ich Dich nicht traf

ich will umhergehen auf den gassen und straßen und suchen, die meine seele liebet

war ich froh: endlich war ich doch dort gewesen, wo Du jetzt wohnst, an Deiner Tür, mit einem Blick schon im Flur; und ein Wort hatte ich dagelassen,

habt ihr nicht gesehen, die meine seele liebet?

das mußt Du jetzt aufnehmen und zurückspielen, oder aufsaugen und verschlucken und auslöschen in der Nacht Deines Schweigens. Ich komme nicht mehr, sage ich mir, und meine, daß ich wieder kommen werde, ich will umhergehen auf den gassen und straßen …

für Melanie F.

die geburtstagsfeiern, damit man die worte nicht vergißt.
die straßenbahnen, damit man die blicke nicht vergißt.
die blicke, damit man das verlangen nicht vergißt.
die nächte, damit man den mond nicht vergißt.
die uhren, damit man den tod nicht vergißt.
das schreiben, damit man die unsterblichkeit nicht vergißt.

>>supra

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