Nachdem ich gewinkt

Nachdem ich gewinkt hatte, bis dein Zug in der Kurve verschwand, und wieder zu meinem Gleis zurückgekehrt war, sah ich die zwei Ansammlungen von frischen Erdkrümeln und Schlammwürsten auf dem Bahnsteig liegen. Es waren zwei Häufchen, eng beisammen, einander überschneidend, und doch jedes für sich, ein eigener Kreis Dreck. Lange schaute ich mir diesen, wer weiß, aus welchen Feldern oder Waldwegen zusammengetragenen, hier von irgendwelchen Schuhen geklopften Lehm an. Zwei Wanderer, dachte ich, das eine Häuflein kleiner als das andere, vielleicht unterschiedlich große Stiefel, verschiedene Schuhnummern, vielleicht ein Erwachsener und ein Kind oder ein Mann und eine Frau. Die waren wohl an diesem Sonntag gemeinsam eine Strecke gewandert, mutmaßte ich, über Wege, die infolge der starken Regenfälle in der letzten Zeit durchweicht und schlammig waren. So nah, wie die beiden Häuflein beieinander lagen, konnte man vermuten, die zwei seien auch nah beieinander gestanden, während sie den Lehm von den Schuhen traten. Vielleicht hatte sich ja eins am andern festgehalten, um sich den Dreck bei angewinkeltem Bein von der Sohle zu kratzen. Oder eins hatte das fürs andere verrichtet. Vertraut müssen die beiden miteinander gewesen sein, wahrscheinlich machten sie das öfter, fühlten sich wohl in der Gesellschaft, die eins dem andern leistete, waren starke Geher, bei jedem Wetter und jeder Wegbeschaffenheit draußen. Jetzt hatten sie sich wohl müde gelaufen, spann ich meine Überlegungen weiter, und waren, nachdem sie noch die bewährten, gut eingelaufenen Stiefel vom Gröbsten gereinigt hatten, nach Hause gefahren. Ob sie wohl in den selben Zug gestiegen und gemeinsam gefahren waren, oder jedes in einen anderen Zug?, fragte ich mich und hob den Kopf nach der fernen Stelle auf dem Schienenstrang, wo der deine Minuten vorher verschwunden war.

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