Zwischenruf

In Hürxberg am Straßenbahnübergang ein zwei mal fünf Meter messendes Banner, darauf abgebildet die charakteristische Kuppe des Hürxberger Hausbergs, kahl wie eine Mönchstonsur, und auf der Lichtung eine Gruppe Windkraftanlagen, die aussehen wie eine Invasion extraterrestrischer Makroviren. Dazu die Aufschrift: Waldschutz ist Klimaschutz – Windkraftprojekt Hürxberg stoppen!

Steinkohle darf es nicht sein, Braunkohle noch weniger, Atomkraft, bewahre!, schon gar nicht, und Windkraftanlagen sollen bitte woanders stehen. Liebe sogenannte Naturschützer, wo glaubt ihr, wird der Strom für eure ganzen Mobiltelephone, Laptops, Großserver, das Internet (eine Suchanfrage bei Google verbaucht soviel Strom wie eine Energiesparlampe in vier Stunden), neuerdings E-Bikes, demnächst Elektroautos, zuzüglich zu den schon vorhandenen Waschmaschinen, Trocknern, Föhnen, Brennscheren, Waffeleisen, Elektroöfen, Stabmixern, Bügeleisen, Toastern, Stereoanlagen, Fernsehern, Wasserkochern, Laubbläsern, Mikrowellen, Kühlschränken, Klimaanlagen, Straßenbahnen, Fernverkehrszügen herkommen?

Achso, ja. Aus der Steckdose.

0 Gedanken zu „Zwischenruf

  1. Da stinkt der Fisch vom Kopfe her: es fehlt an Ehrlichkeit in der Politik. Keiner sagt: Leute, wir haben über unsere Verhältnisse gelebt, wir müssen jetzt überlegen, wie wir sinnvoll sparen. In der Regel heißt es: es wird allen immer besser gehen. Und wenn dann mal Maßnahmen getroffen werden sollen, bittschön anderswo.

  2. Ein Fehler ist es, meine ich, die Energieversorgung dem Markt zu überlassen. Niemals wird ein Markt seine eigene Schrumpfung anstreben. Schrumpfung ist aber das, was Not tut. Clevere, kreative, schlaue, lustige Schrumpfung. Mein Vorschlag: Energieproduktion verstaatlichen. Und dann die Strompreise so gestalten, daß der Preis mit dem Verbrauch steigt, also so eine Art inverser Mengenrebatt. Doppelter Verbrauch würde also nicht 100%, sondern beispielsweise 110% mehr kosten. Unter einer gewissen Grenze dürfte Strom dann kostenlos abgegeben werden. Da würde sich so mancher Privathaushalt oderntlich ducken, um die Grenze nicht zu überschreiten!

    Freilich müßte die Politik dann Schlupflöcher dichtmachen, also etwa per Gesetz verhindern, daß ein Konzern seinen tatsächlichen Stromverbrauch auf tausende Unterverbraucher aufsplittet, um billiger davonzukommen.

    Wie man dann rasant steigende Kosten für Konsumgüter und Lebensmittel verhindern sollte, ist ein ungelöstes Problem. Vielleicht kämen dann aber wieder Kleinanbieter zum Zuge, denn die könnten bei einer solchen Energiewirtschaft viel günstiger produzieren.

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