Mitnotiert 19.6.2018

Das große Springkraut und das Klebkraut machen sich Kreuze im Kalender. Asseln bevölkern das Gedächtnis der Steine.

Ins Licht gerollt wie Zirkustrommeln: Schnitte, Stümpfe, Stämme, blanke Flächen. Die Sonne sieht mich, wie ich über die Lichtung strebe. In Tiegeln hört man das Harz kochen.

Fahle Dochte ohne Wachs, fern von ihrer Flamme. Heimliches Glühen im Sumpf, schwarz gehandelte Ware. Trunkener Rost von Ameisen. Spiegel klemmen sich zwischen die Fingerspitzen. Der Wald nagt an den Wegen wie an wieder ausgegrabenen Knochen.

Zwei Autos, die gleich verdurstenden Tieren über den Waldweg holpern. In den Windschutzscheiben heben die Spiegelungen verzweifelte Hände empor. Ein verendetes Fahrzeug hängt über einem Graben. Erste Fliegen senken ihren Rüssel in den noch warmen Lack.

Eingetieft in das Siegelwachs der morgendlich weichen Schatten ruht in sich das Muster des Buchfinken. Hell und dunkel, federwechselnd, das weise ende einer langen Geschichte, ist er mir immer schon begegnet. Sein Blick, mit dem er mich erspäht hat, pflanzt sich durch alle Erinnerung fort und heftet die Begegnung fest im Strom der Zeit.

Wenn am Tümpel mein Schatten ins Naß fällt und sich zum Schlaf der Libellen legt, bin ich der eilende Zeiger einer Sonnenuhr, der dem Morgen davonflieht und keine Stunde mitnimmt, den Wald nicht leichter macht um auch nur einen Augenblick.

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