Sinn und Verwirrung (1)

Als könnte man sich entäußern, wenn man schreibt. Oder malt. Oder Musik komponiert. Als würde man ein Stück von sich selbst erschaffen. In einem Vorgang der Selbstvergewisserung, in einem Vorgang des Überlebens, wie Atemholen. Nicht schaffen zu können ist das Zerfallen des Selbst, seine Ab-Schaffung, seine Auflösung in die Banalität der kontingenten Fakten. Schreiben ist ein Ankämpfen gegen das Selbstverständliche und Zufällige. Schreiben ist das Gegenteil von Achselzucken, es bedeutet, alles ernst zu nehmen, was ist und darüber hinaus noch mehr das, was nicht ist. Es bedeutet, eine Absicht in die Welt zu setzen. Kunst ist eben darum nicht kontingent, weil sie dem Faktum, dem, was sowieso schon ist, etwas entgegenzusetzen hat, das ihr selbst, aber nicht dem Faktum innewohnt, etwas, das nicht sowieso schon da ist: Sinn.

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