Für später, für jetzt, für alle Tage

Quibus enim nihil est in ipsis opis ad bene beateque vivendum, eis omnis aetas gravis est; qui autem omnia bona a se ipsi petunt, eis nihil malum potest videri quod naturae necessitas adferat. Quo in genere est in primis senectus, quam ut adipiscantur omnes optant, eandem accusant adeptam; tanta est stultitiae inconstantia atque perversitas. Obrepere aiunt eam citius, quam putassent. Primum quis coegit eos falsum putare? Qui enim citius adulescentiae senectus quam pueritiae adulescentia obrepit? Deinde qui minus gravis esset eis senectus, si octingentesimum annum agerent quam si octogesimum? Praeterita enim aetas quamvis longa cum effluxisset, nulla consolatio permulcere posset stultam senectutem.

Denn die nichts an Reichtum in sich finden, der ihnen zu einem guten Leben verhelfen würde, denen fällt jedes Lebensalter schwer. Die aber jedes Gut in sich selbst suchen, denen kann nichts als Übel erscheinen, was die Notwendigkeit der Natur mit sich bringt. Unter diesen Dingen ist besonders das Alter zu nennen: Alle wollen es erreichen und verfluchen es doch, wenn sie’s erreicht haben. So groß ist die Inkonsequenz und Verdrehtheit der Dummen. Dann sagt man, das Alter sei schneller herangeschlichen als geglaubt. Darauf ist erstens zu sagen: Wer hat denn diese Leute gezwungen, etwas Falsches zu glauben? Denn wie könnte Wie sollte sich denn das Greisenalter schneller ans Erwachsenenalter anschleichen als das Erwachsenenalter an die Kindheit? Und zweitens: Wie könnte sollte einem nach achthundert Jahren das Greisenalter weniger beschwerlich sein als nach achzig? Denn Ganz gleich wie lang die Lebensspanne auch wäre – einmal verflossen, könnte sie ja dem Dummen im Alter doch zu keinerlei Trost gereichen.

(Cicero, Cato Maior De Senectute, 4)

0 Gedanken zu „Für später, für jetzt, für alle Tage

    1. Das enim ganz am Anfang scheint etwas in der Luft zu hängen, wird aber aus dem größeren Zusammenhang verständlich. Natürlich könnte oder müßte man es weglassen, wenn man so aus dem Zusammenhang losgelöst zitiert. Das zweite enim muß aber schon sein, wie ich meine, sonst verliert der Gedankengang seinen Zusammenhalt.
      Ich glaube nicht, daß es an der Übersetzung des enim liegt, wenn man der Übertragung die Originalsprache anhört. Da ist noch mehr im Argen, fürchte ich …

      1. Hört man noch die Originalsprache oder einfach den Stil des Autors? Das erste enim verweist auf einen größeren Zusammenhang oder auf den vorhergehenden Gedanken, deshalb finde ich es durchaus angemessen. Aber wie gesagt, mein Latein ist jämmerlich. (Außerdem: drei Übersetzer, vier Meinungen.)

        1. Ich denke, das ist es — wo man’s liest, klingt die gute alte Lateinlektüre durch. Das wird bei Caesar und bei Seneca nicht anders sein.
          (Ich wollte auch gar nicht mäkeln; von Übersetzungen wie vom Herrn S. kann ich nämlich nur träumen.)

      1. (Mir persönlich gefällt es besser, wenn Sätze nicht mit “Denn …” beginnen; aber das liegt bei genauerer Betrachtung an zu vielen eingebrannten Dialogen mit Nachhilfeschülern.)
        Ich lese das gern; es ist glatt und klar. Sehr schön.

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