Nach dem Träumen

Nach dem Träumen bleiben Spuren von Rissen an der Oberfläche sichtbar und zeigen auf ein Außen, auf eine Oberfläche und einen Raum. Sie sind Spur, aber sie lassen keine Schlüsse auf die sie verursachenden Unruheherde der Tiefe zu. Einmal erwacht, ist das Geträumte unzugänglich. Die Träume bleiben ein Traum, und das Wachsein kann sie nur als Träume erinnern, von außen. Während man träumt, ist der Traum kein Traum, selbst dann nicht, wenn man glaubt, daß man träumt.
Was man aus dem Wachsein heraus wahrnimmt, sind nur die Fingerabdrücke an einer Spiegelwand. Luftblasen aus einem Tümpel. Geronnenes, Erstarrtes, weite Schatten von Bäumen über Schluchten. Lichtspiele. Über Träume kann man nur vom Wachsein aus sprechen. Aber von dort sind sie bereits nur Abbild. Wenn der Traum selbst ein Bild ist: Das Abbild eines Bildes.
Wir können nicht gleichzeitig träumen und wach sein. Und wir können nicht als ein anderer träumen. Sondern immer nur als wir selbst, weniger noch: als der oder die gerade träumt. Und deshalb sind wir uns beim Träumen stets selbst verborgen.
Träume scheinen manchmal eine Geschichte zu erzählen; tatsächlich aber sind sie nur Spuren von Geschichten, Abdrücke und Furchen, Beulen und rauhe Stellen, wo sich Erlebtes niedergelassen und eingedrückt hat. Sie sind Nachbilder, Leuchtfeuer. Es sind Wucherungen, die Geschichten ansetzen, wenn sie sich selbst überlassen sind. Ein Hauch, der entsteht, wenn sie mit dem Gesicht zu nah an die Scheibe kommen.