verworren

Ich glaube, für eine wirklich schön verworrene Geschichte ist mein Geist einfach nicht verworren genug. Und verworren sollen sie sein, die Geschichten, heißt es nicht Seemansgarn spinnen? Und verheddern sich die Nornen nicht in ihrem eigenen Faden? Überhaupt, der Faden. Text bedeutet auch nichts andres als “Gewebe”. Dieses mag seine Ordnung haben, in der umfassenden Draufsicht. Aus Sicht eines einzelnen Fadens aber und seiner Umgebung herrscht ein schönes Durcheinander, in dem dennoch alles einander zusammenhält.

Das Unübersichtliche als Aufgabe. Die Kunst, sich selbst zu überraschen. Die Ordnung so gestalten, daß sie unordentlich aussieht. Dafür braucht es nicht einen verworrenen Geist, sondern mindestens zwei.

0 Gedanken zu „verworren

  1. Aber es gibt ja auch so unendlich viele Möglichkeiten ,Netze zu spinnen und ein Faden kann sehr lang sein, immer wieder neue Fäden nach sich ziehen, oder er verknüpft sich und bildet Knoten, über die man stolpert. Es ist ein großes Weben, das Schreiben von Geschichten und es ist nie das Weben eines Einzelnen, sondern immer eins der Sprache.

  2. Die Zusammenhänge zwischen Text und Textilem faszinieren mich sehr; und daß Spinnen wie eben auch Erzählen und Überliefern traditionell Aufgabe der Frauen war.

    Eine Klage über zuviel Klarheit würde ich auch gern mal führen können. ,) Vielleicht ist das die Gelegenheit für Verdichtung?

  3. Was spricht denn gegen Linearität und was gegen eine schlicht erzählte und trotzdem bzw. gerade deswegen bezaubernde Geschichte? (W. S. Maugham fällt mir z. B. gerade ein, den ich als Erzähler sehr schätze)

    1. Nichts spricht gegen Linearität. Aber ich habe eben das Verknäuelte lieber. Linearität kann sehr schön sein, verblüfft aber nicht. Ich liebe das Unregelmäßige, sich der schnellen Auffassung Verweigernde.

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