bei uns in der straße ist gerade Martinsumzug.
das ist sehr schön anzusehen, und macht mir umso mehr freude, als es mein namenspatron ist, der da gefeiert wird — aber, so gerne ich die auf und ab wippenden lampione, laternen, lämpchen sehe, so sehr es mich auch freut, mit wieviel ernst die kleinen dabei sind, so sehr ich es mag, wie sie alle mit ihren lichtlein stolz vor sich in der hand dahertrippeln: lieber wärs mir, es würde auch am 11. stattfinden und nicht irgendwann ungefähr dann. ich meine, heiligabend ist auch am 24. und die fronleichnamsprozession ist an fronleichnam und nicht irgendwann um die drehe. ich weiß ja auch, daß man dem rheinländer am 11. november mit st. martin nicht kommen kann. nur finde ich, da stimmt der vorrang nicht.
aber nun gut. schön anzusehen war es. und gepfiffen und gepaukt und posaunt wurde auch schön laut und
schräg.

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  1. Das scheint um sich zu greifen, auch außerhalb der Gegenden, wo Karneval das große Ding ist. Vorigen Dienstag verabschiedete sich der Kollege vom schönen Physiotherapeuten mit den Worten, er müsse jetzt gehen, die Kita nebenan wolle gleich mit dem Martinsumzug beginnen. Habe mich sehr gewundert und auch nicht verstanden, was das eigentlich soll. Ist ja wie mit dem Dominosteinen, die es schon Anfang September zu kaufen gibt.

  2. REPLY:
    Ach ja, die Dominosteine! Auch so ein ärgerliches Kapitel. Darüber könnte ich jeden ersten September aufs Neue in Rage geraten. Oder der Weihnachtsmarkt, der jedes Jahr eine Woche früher aufzumachen scheint als das Vorjahr. In letzter Zeit eine Woche nach Martini. Ich geh schon seit Jahren nicht mehr hin. Ändern wird sich dadurch nichts. Aber was will man machen außer sich verweigern? Das schlimme ist: Das Zeug wird ja im September gekauft; der Weihnachtsmarkt im November besucht — solange die Leute das mitmachen, wird es das geben. Offensichtlich wird es gewünscht. Ich frage mich nur immer: Von wem? Wen man hört, alle regen sich über die Spekulatius im Spätsommer auf — aber wenn man mal nachfragt: Dann ist es wieder keiner gewesen!

  3. REPLY:
    Ich war’s bestimmt nicht, ich habe noch kein Weihnachtsgebäck gekauft. Mich wundert sowieso, dass das den Leuten dann in der Adventszeit noch schmeckt, wenn sie es schon monatelang gefuttert haben. Aber vielleicht ist das so wie mit den Erdbeeren, die kaufen genug Leute auch im Dezember, obwohl die dann von wer weiß wo eingeflogen werden. Ich versuche, möglichst saisongerecht einzukaufen – nur bei den Tomaten werde ich regelmäßig schwach. Andererseits, bei mir auf dem Balkon hängen jetzt auch noch welche und reifen vor sich hin.

    Dass bei den Weihnachtsmärkten mittlerweile nicht einmal mehr der Totensonntag abgewartet wird, halte ich für ein Unding. Nun ja, das ganze nennt sich dann Stadtmarketing.
    Was aber die Kita-Tanten dazu bewegt, den Umzug vorzuverlegen, habe ich bislang noch nicht kapiert.

  4. Stadtmarketing ist ein schöner Euphemismus. Genau darum geht es wohl: Nicht um Atmosphäre und darum, sich das Leben schöner zu machen (eigentlich mag ich Weihnachtsmärkte), sondern um den Profit. War ja klar. Ich frage mich aber: Hab ich das früher einfach nicht so wahrgenommen, oder verändert sich da wirklich was?

    Wie man vier Monate lang Dominosteine futtern kann, ist mir ein Rätsel, ebenso, wie man darauf Lust haben kann, wenn man gerade vom Strandbad nach Hause kommt. Es ist aber allerorten zu beobachten, daß der Rhythmus der Jahreszeiten nicht mehr geduldet, sondern wo immer möglich durchbrochen wird. Im Winter fährt man zum Badeurlaub nach sonstwo, im Sommer fährt man Ski, Erdbeeren muß es bitteschön im Januar geben und im Mai hat man plötzlich Lust auf Mandarinen. Was machbar ist, wird gemacht.

  5. REPLY:
    Meines Wissens war es früher nicht erlaubt, Weihnachtsmärkte vor dem Totensonntag zu eröffnen.

    Nachdem der Handel – nicht aber unbedingt seine Mitarbeiter – auf immer mehr verkaufsoffene Sonntage drängt, in manchen Gegenden durchaus erfolgreich, ist es wahrscheinlich nur noch eine Frage der Zeit, bis auch das Tanzverbot an Karfreitag fällt. Und wenn es erst einmal soweit ist, kann man die Feiertage, so sie nicht der Ankurbelung des Konsums dienen, ja auch abschafffen. Dann werden einige Leute aber ganz schön blöd gucken.

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