Wiedersehen am Südbahnhof

Gestern hätte ich dich fast gesehen, wie du, unverkennbar in deinem grünen Mantel und mit dem rosa Schal, der sicher immer noch nach Haut riecht und Haar (wenn du ihn noch trägst), in Begleitung die durchlichtete Treppe hochkamst, jenseits der Menschen am Bahnsteig, und für Momente so grün und rosa und schmal und schwarzhaarig, daß kein Zweifel bestand, noch zumal du wie erschrocken stehenbliebst, mit einem Ruck, schien es, nachdem du mich (sicher?) gesehen hattest, die Hand deines Begleiters ergriffst, etwas zu ihm sagtest, ungeduldig, ja sicher ungeduldig („das erklär ich dir später“) und ihn wieder hinabzogst in die Helle des Treppenaufgangs, wo ihr gemeinsam verschwandet.
Ein Schreck auch für mich, dieser vertraute Gang, das unverkennbare Schlenkern der Füße, dein blasses Gesicht, als könnte ich bis hier hören, wie du die Nase in der Kälte hochziehst, und dann die Flucht, der Schmerz und der andere, und am Ende, im Zug, als ihr doch noch eingestiegen wart, da warst es gar nicht du.

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