Englisch ist besser, und wenn es kein Englisch ist, dann soll es wenigstens so klingen.

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  1. Neulich im Zug belauscht: eine junge Mutter, die mit zypriotischen Touristen ins Gespräch kam. Bei “Iu känn göu bäi fuut, itz not long” klinkte sich mein Ohr ein. Die Zyprioten staunten, endlich jemanden gefunden zu haben, der Englisch spricht. Die meisten Schweizer könnten nicht Englisch, bemängelten sie. Die Frau strahlte und befand: “Di öuld piipl not, di yang piipl nöu bikoos of dä miuusic.” Und auf die Frage, was sie denn in Zürich tue: “Äi göu schopp wuis mäi tschäilds”.
    Ihrem Kind erklärte sie, dass diese Leute zuhause Griechisch sprechen. “Kannst du Griechisch?” fragte der Kleine. “Nein, Griechisch ist viieeeel schwieriger als Englisch,” lachte sie. Folgerichtig der Bursch: “Warum sprichst du dann nicht Griechisch mit ihnen?” – Dem konnte ich nur still beipflichten…

  2. REPLY:
    Gegen die lingua franca an sich habe ich auch nichts. Mich stört nur, dass jeder, der sich ihrer bedient überzeugt ist, Englisch zu “können”. Obwohl a) die gängige lingua franca schon nicht mehr viel mit Englisch gemein hat und b) es vermessen ist zu sagen, man “könne” eine Sprache. Man “kann” sie nie, meist nicht mal die Muttersprache. So wie oft behauptet wird: “Ich kann reiten” oder “Ich kann kochen” oder “Ich kann Klavier”. Und wenn man dann hinsieht, können sie gerade mal haarscharf oben bleiben, Teewasser kochen und Alle-meine-Entlein-spielen. Es ist irgendwie respektlos der Sache gegenüber. Man “kann” überhaupt nie irgendetwas, egal wie lang man übt. Ich spreche oft Englisch, lese und schreibe es, aber ich “kann” es nicht.
    (Der Fluch des Englischen ist zudem, dass es leicht zu sein scheint. Es täuscht ja gewaltig… Ich erinnere mich, dass ich den Einstieg ins Englische viel schwerer fand als denjenigen ins Französische, weil man von der Schreibweise nur selten auf die Aussprache schliessen kann. Manche scheinen das nicht zu bemerken oder tun sich eine andere Fremdsprache gar nicht mehr an, da die Schulen ja heute immer weniger Wert legen auf Fremdsprachen, die nicht Englisch sind.)

  3. REPLY:
    Ja, das leuchtet schon ein, auf der einen Seite. Trotzdem habe ich da so meine Zweifel (die in letzter Konsequenz wieder zu der Grundfrage führen, ob die Sprache die Realität beschreibt oder umgekehrt die Realität ein Produkt der Sprache ist… bekanntlich tendiere ich zu letzterem, wenn auch nicht mehr so puristisch wie auch schon). Also könnte doch die Sprache eine Art Matrix sein, unabhängig vom Kopf eines einzelnen Sprechers, sondern mehrdimensional in allen Köpfen. Und wenn dem so wäre, dann könnte man auch niemals von “können” im Sinne von Beherrschung/Meisterschaft sprechen. — Und ganz praktisch: hört man z.B. einem Jugendlichen zu, wie er sich schätzungsweise 70 Wörtern seiner Muttersprache aktiv bedient und die übrigen 70’000 nichtmal kennt, dann scheint mir “können” schon einigermassen übertrieben. Aufs Spazieren übertragen wäre das ein Robben auf einem Ellenbogen.
    Na gut – manchmal ists halt understatement. Solange ich immer noch Fehler baue im Englischen und hin und wieder zum Dixer greifen muss, würde ich mir niemals anmassen zu behaupten, ich könne Englisch. Irgendwie erwarte ich diese Bescheidenheit auch von anderen, damit niemand auf die Idee kommt, ich sei die einzige, die nicht Englisch könne. 🙂

  4. REPLY:
    (uuups — da müsste man jetzt doch noch allerhand editieren, meine Güte, was macht das für eine Fresse (hab mir inzwischen das B. (Bier) abgewaschen)) 🙂

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