Ein Schwindel erfaßte den Fremden

Von meiner Wohnungstür waren es nur drei Schritte an den gewaltigen Müllcontainern vorbei zum Sturzblick auf die Burgstadt, hinab und wieder steilauf, das hohe Gold, die dunkle Flagge, den erleuchteten Himmel darüber. Da blieb ich oft stehen, während eine Katze nebenan davonglitt und im Schatten eines Wagens verschwand. Unten, nachts in Goldfolie eingeschmiegt, tags je nach Licht versunken in den eigenen Fels, oder den Himmel darum, oder verkantet von rotem Schatten, lag der Tempel. Unten und doch oben, drüben, von Hügel zu Hügel geschaut, wo ich stand. Die Katze sprang davon, man klimperte mit Besteck, Fisch und Knoblauchduft, ein Hauch von Wein und Lauch wehte vom Restaurant an der Ecke.
Meistens ging ich zur Nacht, die früh kam in jenen Breiten, und es wurde ja wieder Herbst, wenn auch das Gefühl für die Jahreszeiten durcheinanderkam, die Wärme, das Mittagslicht, die Düfte, nichts stimmte, und doch wehte Laub, leuchtete manch gelbroter Baum, duftete die Erde, wo sie frei lag, im Regen. Ein Schwindel erfaßte den Fremden, eine Verwirrung, eine Seekrankheit der Zeit.

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