kreativität

alles, was ich mir ausdenken kann, ist tabellarisch. was mir fehlt, ist der sprung, der plötzliche satz heraus aus den tabellen ins kreuzundquer, eine querfeldeine, nicht-lineare verbindung, vernetzung nach außerhalb.
außerhalb, das ist das problem. immer schon gewesen: das paradox des kreativen. wie entsteht in einem einzelnen geist aus der verbindung von vorhandenen teilen etwas neues, das mehr ist als die summe seiner teile, ja sogar mehr als die summe seiner teile und der art ihres ineinandergefügtseins?
ungelöst.
das müßte etwas sein, das, aus dem eigenen geist geflossen, diesem geist völlig fremd und als das werk eines anderen erschiene. (geht es nur mir so, daß die erzeugnisse der anderen immer so viel vielschichtiger und kreativer, eigensinniger, rätselhafter scheinen als das eigene? oder liegt das in der natur der sache?) und ein weiteres paradox: könnte ich es lösen, wäre es lernbar. aber gerade ein algorithmus (und nur ein algorithmus ist lernbar) darf es ja nicht sein. oder gibt es algorithmen, die unerwartetes produzieren? wohl gemerkt: nicht zufälliges. sondern nicht-vorhersehbares, das gleichwohl aus der rückschau völlig folgerichtig, bedeutungshaft, stimmig und doch: neu ist.

0 Gedanken zu „kreativität

  1. @ das müßte etwas sein, das, aus dem eigenen geist geflossen, diesem geist völlig fremd und als das werk eines anderen erschiene.

    ich weiß nicht, für mich fühlt sich das anders an – nicht völlig fremd, aber völlig jenseits eines zugriffs von seiten meines intellekts:

    das, was größer ist als das eigene und doch eben gerade aus mir kommt, das ist die verbindung, der teppich, der sich da webt, ohne das mir das beim schreiben / denken / geisten bewußt gewesen wäre.

    manchmal, nein oft!, sind es die über/hinter/unterbedeutungen, die sich aus dem, was ich geschrieben habe, ergeben, die ich erst im nachhinein, einige erst, nachdem das buch schon erschienen ist, (für) wahr-nehme, die mir vorher nie aufgefallen, die mir eben gar nicht IN DEN SINN gekommen sind, aber doch aufs papier gelangten, in die tastatur usw. manchmal sind es sogar erst leserrekationen, die mich mir selbst auf die spur bringen. dieses aha-erlebnis: wow, stimmt!! DAS steckt da ja auch drin… und es paßt, wie es besser nicht passen könnte!

    kreativität also eher als etwas, das größer arbeitet, als ich denken kann, mich in größeres einbindet, als ich erfassen kann. schreiben als ein ort, an dem ich mich dieser kontrollosigkeitserfahrung, aber auch: dieser eingebundenheits- und sinnerfahren hingebe, während ich doch die einzige bin, die hier gestaltet, also im vollbesitz der gesamten logisch-denkbaren kontrolle bin [womit wir wieder bei den paradoxa wären ;-)].

    schreiben, kreativität in diesem sinne auch und vor allem:
    pure orte der lust und hingabe.

  2. > wie entsteht in einem einzelnen geist aus der verbindung von vorhandenen teilen etwas neues, das mehr ist als die summe seiner teile, ja sogar mehr als die summe seiner teile und der art ihres ineinandergefügtseins?

    es müsste etwas sein, das außerhalb unserer natur / unseres denkens existiert, etwas was nicht nur sich einfügen lässt sich gebrauchen lässt für unsere oder seine eigene zwecke, sondern das sich löst von dem eigenen aber dennoch völlig kompatibel bzw. fähig sich ineinander zu fügen sein kann. etwas das uns, unsere art und die prinzipielle weise unserer art, aber dennoch weiter sehen, denken und handeln kann.
    und wer kennt die dinge aus & inwendig wenn nicht der, der sie selbst entworfen und geschaffen hat? können wir das je?

  3. oh, und dann finde ich eben noch etwas, das diese fragen vielleicht noch ganz anders und viel besser oder jedenfalls auch nicht unspannend angeht. bei gertrude stein, nämlich, in einem buch über picasso (stein, gertrude: picasso / arche 2003):

    “Man versteht nie, bevor sie [die Dinge, euka] nicht vollständig geschaffen sind, was geschieht und man versteht überhaupt nicht was man getan hat bis zu dem Augenblick wo alles getan ist.”

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