Aber was

Aber was willst du denn mal machen, fragte auch Ioanna, oftmals, als hätte ich ihr keine antwort gegeben (hatte ich auch nicht), ich meine, du willst doch nicht ewig in diesem Hotel bleiben. Sie sprach „Hotel“ aus, als hätte „Abort“ gesagt. An ihrem Akzent lag es nicht.
Ja, was wollte ich „mal machen“, wie es immer hieß? Abgesehen von der Formulierung, die mir schon bald auf den Geist gehen sollte – in diesem Abort wollte ich wirklich nicht bleiben. „Irgend was mit Sprachen“, war meine Standardantwort, und bald sollte sie mir ebenso vague verhaßt werden wie die Frage, auf die sie Antwort gab, ohne zu antworten. Obwohl es ja stimmte. Etwas mit Sprachen: aber was? Und wirklich? Was war mit der Chemie? Mit der strengen Schönheit der Naturwissenschaft? Mit der Mathematik, die ich noch kaum kennengelernt hatte? Aber ich brauchte nur wieder zu den agglutinierenden Mäandern meiner Sprache zurückzukehren, um zu wissen, was ich wollte – oder es zu ahnen, denn ich wußte nicht, wo ich finden würde, was ich suchte – eine Wissenschaft nämlich, die mir den eben entdeckten, ungeordneten Reichtum an Struktur auffädeln, die Dinge in Beziehung zueinander setzen, in einer verallgemeinerten Weise gliedern und mir dann seine Grenzen aufzeigen würde.

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