Die Stadt (1)

im spiegel betrachten sich
geduldig wie schwäne
die wachsfigurenlippen
ewig lächelnd, zwei etruskische götter
einander unerkannt
gewogen im gläsernen grab

kein gott aber haust
zwischen den schenkeln
jenseits der versiegelten scham
weder stempel noch staubblatt
schließen die schweißnaht

jugendfrei preßt
sich rechts an links
kein spielraum für
erektile plastikträume
am boden unter
geschwollener hüfte
vergessen die schlüpfer
schamlos das licht auszumachen
und dazwischen
ein finger, ein arm
über geschloßnen lippen, schweig
und sie schweigen

alsobbrüste verspiegelt
ein museumsstück

es fliedert, fliedert
im wartesaal
riefen nahebei

die handtäschchen, gekleidet
in plastisches rosa
und mit den fäustchen
hielten umklammert sie
schlanke hoffnungen

und auch
wieder haltestellenweise
hingekippt schlotternde milch
der schoß so hart
daß die hose zum knie
marsupialisch durchhängen
muß

da sieht man sich selbst
wie den schatten des
etruskischen gotts
das lächeln geklemmt
unter den arm
überblendet von rasendem lärm

drüben, über der ampel, wo indes
wie die schablone
eines nebentraums
die brüste abermals gerannen
zu kunstharz und vinyl

.

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