aus dem stundenbuch

man muß sich nicht immer als reibefläche erweisen. es ist immer noch träumbar, sich unter die sonne zu beugen und sich so dünn zu machen, daß man zwischen zweimal luftholen weite räume aufstieße. träumbar, zu verschwinden in den spalten zwischen dem gras, oder in die poren eines steines sich aufnehmen zu lassen.

das licht ist ja unüberwindlich. die amselgesänge grausam und schön, und jahr für jahr kehren sie wieder. nur eines ist noch schlimmer als ein sieg, und das ist die niederlage. ich empfinde es als zumutung, daß ich sterben muß. es gibt nur eines, das schlimmer ist als sterblich zu sein, und das ist die unsterblichkeit.

es bleibt immer aufgabe: ins reine kommen mit dem eigenen. den finger befeuchten, in die träume halten und prüfen, wo das meer liegt.

sich verneigen gegen die richtung, in der einst das zu wagende lag und dreimal mutabor rufen.

0 Gedanken zu „aus dem stundenbuch

  1. (10.10.05 21:10)
    sich verneigen dorthin, wo der flechtenüberwucherte baum auf der klippe störrisch steht und stürmen trotzt und mit seinem knarzenden geäst zauberische zeichen in die gischtheisere meerluft kerbt.

    rosmarin / Website (12.10.05 09:31)
    ………..ach……. da hat sich das lange warten auf einen neuen text von dir wieder sooooo gelohnt 😀

    (14.10.05 17:47)
    ja.
    >>den finger befeuchten, in die träume halten und prüfen, wo das meer liegt.>>
    als wäre man ein polynesischer Navigator, der die Meeresdünung prüft, um mit den Wellenmustern die Position seines Schiffes zu bestimmen.

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