Oh ich verstehe. Ich würde das auch nicht mehr wollen. Warum nicht? Damit ich späterhin nicht in die Verlegenheit käme, es ihm erzählen zu müssen. Und wer wollte schon eine Liebe mit Heimlichkeiten beginnen … Und weil ich es verstehe, mehrt es mir den Schmerz. Meine eigenen Bedürfnisse, so wie ich sie in ihrer Haut hätte, finde ich ja in ihr wieder. Das erlaubt den Schluß auf Gefühle in ihr, die mich schon ausschließen aus dem innersten Kreis.

Wenn nicht die letzten Monate sowieso einer Illusion anhingen. Ich war ja längst draußen.

Wieviele dieser Abschiede und kleinsten schrittweisen Ausschließungen muß ich noch erleben? Das letzte Mal ihr Körper auf mir; dann die Nachricht; ein letztes Mal Händchenhalten im Kino (was für eine Illusion auch dies!); und nun das letzte Mal wenigstens neben ihr, an ihr fernes Atmen gedrückt, einschlafen, ach, und schon dieses letzte Mal war zu viel, ein bitterer Nachtrag. Reuen muß mich das. Zuvor wäre ein schönes Letztesmal gewesen. So aber steht als frischester und wohl bleibender Eindruck nun dieses Erzwungene da. Das zu denken, und auch, daß ich die Grenze überschritten, lästig geworden bin, macht mich noch viel trauriger.

Noch einmal trinke ich nun aus dieser Ringeltasse. Ich frage mich plötzlich, ob sie ein Geschenk an mich war? So sehr gehört sie in diese Wohnung, an dieses Bett, zu dieser Stunde, ist verbunden mit E.s halbschlafender Stirn („Soll ich dir einen Kaffee machen?“), an den Duft der Decken, daß ich es nicht mehr weiß. Jedenfalls kann ich sie nicht mitnehmen. Auch wenn sie ein Geschenk war, es ist unmöglich. Ich kann wohl dies Stück gebrannten geformten Tons mitnehmen, diese Tasse aber, an der die Monate hängengeblieben sind, die nun mehr ist als sie selbst, die hätte ich dann nicht mehr in den Händen.

Was steht nun aus? Der Tag, an dem der Herold eines schwarzen Frühlings ihr Glück mit dem Anderen verkünden wird.

Fast wünsche ich ihn herbei, diesen Tag, damit endlich Ruhe ist.