Sonett an Chronos

Verklungner Orgelton noch wächst im Hellsein,
in das er fiel. Im Schweigen werden reif
die Worte schönen Lieds. Ein Lippenstreif
will lang auf unsrer Haut noch grell sein.

Nach unsrem raschen Abschied mag das Schnellsein
des Händedrucks uns lange noch verwirrn.
Das Lächeln brennt noch hinter unsrer Stirn,
und könnte unsrer neuen Liebe Quell sein.

Was nicht ist, will uns oft noch größer werden.
Was stumm ward, klingt uns lauter in den Ohren.
Und Fehlen kann sich heftiger gebärden,

als frisches Dasein. Und dies ist das schlimme,
daß wir das fehlend Mächtige verloren,
wenn schales Dasein schließlich hebt die Stimme.

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