An Claudia

Du bist fort, und es ist etwas von diesem Sommer abgezogen, was ihn so viele Wochen lang herrlich machte. Leer ist nun das Getöse des Winds in den Pappeln, leer die Geschäftigkeit der Menschen, leer und ohne Hoffnung das Gehen, das Stehenbleiben, das Denken, das Betrachten. Die Luft selbst ist ohne Widerstand, das Licht wird von ihr nicht getragen, es gleitet kalt durch das Blattwerk, glitzert auf den Gewitterpfützen, ist schon verloren, lange, bevor es Abend wird. Ach, Claudia, wie kann es sein, daß du alles in deinen Händen hieltst? Daß aus deinem Wirken und bloßen Dasein ein ganzer Sommer enstand und wuchs und leben durfte? Ohne dich bleibt nur eine Hülle aus Sonnenschein, eine abgestreifte Haut Wind, eine Maske Blütenduft. Es ist August, aber dieser Monat ist nur noch Rest. Vor dem Herbst und dem Dunkel, das ohne dich und das Hell deiner Augen und die Stütze deines Scheitels zermalmend schwer sein muß, vor diesem Dunkel graut mir. Ach, Liebste …

0 Gedanken zu „An Claudia

  1. (9.8.04 12:56)
    Hallo T.T.,
    du leidest an der Sehnsucht nach Claudia, und das ist nicht gut: an Sehnsucht leiden; das tun zu viele, das taten zumindest auch lynx und tian (findest du bei mir genannt).
    Sehnsucht richtet sich auf Vergangenes; das Vergangene hat leider die Qualität, vergangen zu sein. Nichts gegen Claudia, die ich leider nicht kenne, aber mit Goethe (“An den Mond”):
    Ich besaß es doch einmal…
    Fließe, fließe, lieber Fluss…
    Gruß, n.

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